Faktencheck Trübt die Umweltbelastung von Kreuzfahrtschiffen die Urlaubsfreude?

Von Thomas Ludwig | 05.09.2017, 18:56 Uhr

dpa/thl Hamburg/Osnabrück. Schweröl als Treibstoff und kaum Abgasreinigung: Laut dem Naturschutzbund Nabu ist aus Umweltsicht kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa empfehlenswert. Doch stimmt das auch?

„Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht“, sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller am Dienstag bei der Vorstellung des jährlichen Rankings. Der Nabu verwies daneben auf verdeckte Messungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen, die eine hohe Belastung mit krebserregenden Rußpartikeln zeigten. Auch in den großen Häfen gebe es massive Luftbelastungen. Müssen sich Urlauber, die Entspannung auf dem Meer suchen, also die Erholung durch ein schlechtes Gewissen trüben lassen? Ganz so einfach ist es nicht.

Stickoxid-Katalysatoren in Gebrauch

Noch am besten schnitten in dem Ranking die beiden deutschen Reedereien Tui Cruises mit den vier Neubauten „Mein Schiff 3“ bis „Mein Schiff 6“ und Hapag-Lloyd Cruises mit der „Europa 2“ ab. Sie verwenden laut Nabu immerhin einen Stickoxid-Katalysator. Kritik äußerten die Klimaschützer unter anderem an Aida Cruises. Das Unternehmen habe Investitionen in Abgassysteme angekündigt, ohne diese jedoch umzusetzen. Dem widersprach Aida Cruises: Sechs Schiffe der Flotte - darunter „Aida Perla“ und „Aida Prima“ - verfügten über Systeme zur Abgasnachbehandlung. Wo die Betriebsgenehmigung für die Systeme vorläge, würden diese auch genutzt.

Verband weist pauschale Kritik zurück

Auch der Kreuzfahrtverband Clia kritisierte die Nabu-Darstellung. Bereits seit 2015 gelte zum Beispiel in der Nord- und Ostsee ein Schwefel-Grenzwert von 0,1 Prozent. Das bedeute, dass dort kein Schiff mehr mit Schweröl fahren darf, ohne eine Filtertechnik an Bord zu haben. Die Behauptung, alle Schiffe führen mit Schweröl, sei unzutreffend. Sämtliche Kreuzfahrtschiffe erfüllten die gesetzlichen Grenzwerte oder gingen darüber hinaus.

Fragliche Messmethoden?

Clia monierte auch die Nabu-Messmethoden; sie genügten nicht wissenschaftlichen Standards. Grundsätzlich verfolge man aber das gleiche Ziel: eine Reduzierung der Emissionen und den Schutz der Umwelt. Besserung ist ab 2018 in Sicht. Dann nehmen die ersten komplett mit Flüssigerdgas betriebenen Schiffe Fahrt auf - als erstes die „Aida Nova“ im Dezember 2018.