Experte fordert Gedenkstätte Kein Platz für deutsche Gefallene auf Gallipoli

Von Waltraud Messmann | 21.07.2014, 10:30 Uhr

Allein für die Gefallenen der Commonwealth-Truppen gibt es in dem historischen Nationalpark Gallipoli 31 Soldatenfriedhöfe. Von den 200 bis 400 deutschen Gefallenen fehlt hier aber jede Spur.

„Deutsches Gedenken findet in Gallipoli heute nur im ,Gedenkschatten‘ der Türkei und der Alliierten statt“, kritisiert Klaus Wolf, Verfasser des Buches „Gallipoli 1915“. Alle ehemaligen deutschen Friedhöfe auf der Halbinsel seien lange aufgelöst oder bis zur Unkenntlichkeit verwittert. „Es gibt dort keinen Platz, wo man explizit der deutschen Gefallenen gedenkt, die schließlich dort noch in der Erde liegen“, empört sich der Oberst i.G.

Das Osmanische Reich war erst im Oktober 1914 auf der Seite der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg eingetreten. Ab Frühjahr 1915 schickte Berlin etwa 1800 Soldaten und jede Menge Kriegsgerät auf die Halbinsel Gallipoli, um die osmanische Armee, die sich in einem sehr schlechten Zustand befand, im Kampf gegen die alliierten Angreifer zu unterstützen. Der Beitrag der Deutschen zu dem Sieg ist unumstritten. Auch der türkische Historiker Halil Ersin Aavci meint, „dass die Deutschen einen ganz großen Anteil an dem Sieg über die Alliierten haben“.

Umso unverständlicher ist es nach Ansicht von Wolf, „dass die türkische Seite mit Macht die ehemalige Waffenbrüderschaft ignoriert und keinerlei Anstalten macht, Deutschland bei dem Totengedenken zu unterstützen“. Aavci weist das zurück: „Wir haben den deutschen Regierungen mehrfach einen Platz auf Gallipoli angeboten, doch man hat kein Interesse gezeigt.“

Auch Wolf räumt ein, dass Deutschland sich, obwohl es seit 1924 in der Türkei wieder diplomatisch vertreten sei, nicht um die damals noch vorhandenen deutschen Soldatenfriedhöfe auf Gallipoli gekümmert habe. „Bei diesem Thema wird die deutsche Passivität durch die türkische Ignoranz gut verstärkt“, fasst der Experte zusammen. Er habe deshalb kaum noch Hoffnung, dass bis zum 100. Gedenktag 2015 eine deutsche Gedenkstätte auf Gallipoli realisiert werden könnte.

Auch wenn es keine Gedenkstätte gibt: Vielen älteren Türken ist die Hilfe der Deutschen unvergessen. So auch Veli Albayrak, der 16 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs in der Schwarzmeerregion geboren wurde. Nach Gallipoli ist er aus Schwelm im Saarland angereist. Dort steht er nun, den deutschen Ausweis in der Hand, stolz zwischen einem türkischen Helden aus Bronze und einer Kanone aus Kruppstahl.