Hans-Peter Bartels zu Ukraine-Krieg Ex-Wehrbeauftragter fordert: Panzer für Kiew „so schnell wie möglich“

Von Tobias Schmidt | 12.04.2022, 11:47 Uhr

Der frühere Wehrbeauftragte des Bundestagtes, Hans-Peter Bartels, hat die Bundesregierung zu zügigen Panzerlieferungen an Kiew aufgefordert. Nur mit schweren Waffen sei die von Russlands Präsident Wladimir Putin geplante Großoffensive zu stoppen.

Der frühere Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, hat die Bundesregierung zu zügigen Panzerlieferungen an Kiew aufgefordert. Nur mit schweren Waffen sei die von Russlands Präsident Wladimir Putin geplante Großoffensive zu stoppen.

„Wenn die Ukraine um Schützenpanzer vom Typ Marder bittet, sollten wir dem so schnell wie möglich nachkommen“, sagte Bartels im Interview mit unserer Redaktion. „Wenn wir Marder abgeben, müssten wir auch ukrainische Soldaten daran ausbilden, hier bei uns oder auch in Polen“, ergänzte der SPD-Sicherheitspolitiker und präzisierte:. „Ich gehe davon aus, dass wir in wenigen Wochen Marder oder auch Panzerhaubitzen an das ukrainische Heer übergeben könnten, vielleicht sogar moderne Luftabwehrsysteme, die man kurzfristig aus Exportaufträgen unserer Industrie abzweigt.“

Der Wehrbeauftragte von 2015 bis 2020 sieht in einer militärischen Stärkung der Ukraine eine Chance, das Blutvergießen zu beenden. Zwar könne Russlands Präsident Wladimir Putin „hinter dem atomaren Schutzwall sein Zerstörungswerk fortsetzen, auch wenn die konventionellen Streitkräfte vor Charkow und Odessa scheitern“, sagte er. „Aber es könnte dann, bevor die Nuklearoption Realität wird, was nicht einmal die Chinesen gutheißen würden, auch zu einem Waffenstillstand kommen“, so sein Argument. „Deshalb bleibt die Stärkung der ukrainischen Verteidigungskraft das Gebot der Stunde.“

„Ukraine kämpft um Freiheit in Europa“

Mit den bisher von Berlin gelieferten leichten Waffen „hält man Putins geplante Großoffensive in der Ostukraine nicht auf“, sagte Bartels weiter. Die Nato werde nicht mit eigenen Truppen auf ukrainischem Boden oder an anderer Stelle gegen Russland eingreifen. „Unterhalb dieser Schwelle aber braucht es jede Unterstützung für Kiew, die möglich ist.“

Das Argument, Deutschland dürfe keine Waffen abgeben, um die eigene Wehrfähigkeit nicht zu schwächen, „zieht nicht“, sagte der SPD-Politiker weiter. „Deutschland muss sich nicht gegen Russland verteidigen, sondern die Ukraine.“ Das Land kämpfe um seine Existenz, „aber auch um die Freiheit als Lebensprinzip für alle Menschen in Europa“. Deutschland sei durch die Nato-Mitgliedschafft vor einer möglichen Aggression Russlands geschützt. „Die richtet sich aber jetzt gegen die Ukraine. Das heißt: Wo russische Kampfkraft sich verbraucht, kann sie nicht mehr die Nato und unser eigenes Land bedrohen.“ Zumal es bei den Marder-Panzern „zunächst um eine überschaubare Stückzahl aus Bundeswehrbeständen gehen dürfte, die unsere Industrie zügig ersetzen könnte“.

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