Ex-Minister wechselt zur Allianz Nicht allen gefällt der neue Job von Daniel Bahr

Von Beate Tenfelde | 30.09.2014, 18:45 Uhr

Neuer Seitenwechsel in die Wirtschaft: Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr fängt bei einem privaten Krankenversicherer an. Der 37-Jährige wird im November Generalbevollmächtigter der Allianz Private Krankenversicherung in München.

Worin manche einen Interessenkonflikt sehen: SPD und Grüne forderten gestern die seit „Langem überfälligen“ gesetzlichen Regeln für Übergangszeiten bei einem Seitenwechsel von der Politik in die Wirtschaft. Sie warfen der Koalition Untätigkeit vor. Als im letzten Januar der Neustart von Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) bei der Deutschen Bahn bekannt wurde, plädierte die SPD für eine Karenzzeit von zwölf Monaten für frühere Bundesminister. Eine Lösung zieht sich hin. Die Union hat kein Problem mit Seitenwechseln.

Bahr soll bei der Allianz-Tochter in den Vorstand aufsteigen. Er war von 2011 bis 2013 Bundesgesundheitsminister. Nach Ende der schwarz-gelben Koalition 2013 verlor er den Posten und arbeitete in den USA für ein Beratungsinstitut. Der FDP-Politiker ist wertvoll für die Wirtschaft, weil er als Minister auch für private Kranken- und Pflegeversicherungen zuständig war.

Der Bankkaufmann, Volkswirt und Gesundheitsökonom aus Münster hatte Karriere im Eiltempo gemacht. Bahr gehörte zur „Boygroup“ der FDP, die im Mai 2011 die FDP zu neuer Blüte bringen sollte – bekanntlich ohne Erfolg. Galt in dem selbstbewussten Jungstar-Trio der damals 38-jährige Parteichef Philipp Rösler als der „Sympathische“ und der damalige Generalsekretär Christian Lindner (damals 32) als der „Intellektuelle“, war Daniel Bahr der „Mann mit Biss“.

Er verfügte über jene Härte, die zum Polit-Geschäft gehört. Während der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen 2009 galt er neben dem offiziellen FDP-Verhandlungsführer Rösler als der eigentliche Taktiker seiner Partei im Ringen mit der Union. Er markierte den Mann fürs Grobe – etwa als er die ewig nörgelnde CSU als „Wildsau“ beschimpfte.

Bahr kam mit 14 Jahren zu den Jungen Liberalen. Als Bundestagsabgeordneter mit Wahlkreis Münster erwarb er sich den Ruf als ausgefuchster Profi. Als schärfster Kritiker der SPD-Gesundheitspolitik setzte er sich ins Rampenlicht. Und er ist kontaktstark. Man sah ihn in Münster oft den Aasee umrunden.

.FDP-Chef Christian Lindner sieht nichts Anrüchiges in Bahrs Wechsel. „Im Unterschied zu anderen Politikern wurde Daniel Bahr nicht wegen seiner politischen Kontakte, sondern wegen seiner Kenntnisse als anerkannter Gesundheitsexperte an Bord geholt“, sagte Lindner dem „Handelsblatt“.

Schon Ex-Wirtschaftsminister Rösler wechselte vor einem halben Jahr in die Geschäftsführung zum Weltwirtschaftsforum nach Genf – und zwar geräuschlos. Der Neuanfang des früheren FDP-Entwicklungsministers Dirk Niebel beim Rüstungskonzern Rheinmetall löst dagegen Proteste aus. 2015 wird er Cheflobbyist, in seinen Augen reicht ein Jahr Wartezeit.