Euro-Rettung Das Dilemma der Christine Lagarde

Meinung – Michael Clasen | 04.09.2019, 19:14 Uhr

Die Geldschwemme der EZB wird unter einer EZB-Chefin Christine Lagarde anhalten - mit fatalen Folge für Deutschlands Sparer und Banken. Doch die Alternative dazu wäre wahrscheinlich noch katastrophaler.

Die Anhörung im EU-Parlament unterstreicht: Die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde setzt die ultraexpansive Geldpolitik von Mario Draghi fort. Die Französin dürfte die Geldschleusen sogar weiter öffnen, sollte sich die Konjunktur eintrüben.

Für die Sparer in den vergleichsweise vermögenden Nordländern sind das beunruhigende Nachrichten, weil die Guthaben auf vielen Sparbüchern langsam, aber stetig schmelzen, da die Zinsen oftmals unterhalb der Inflationsrate liegen. Zudem drohen Strafzinsen auf Einlagen auf breiter Front, was die ohnehin schwachen europäischen Banken weiter unter Druck setzen wird, mit negativen Folgen für Beschäftige, Filialnetze und Gebührensätze. Die Kollateralschäden der Niedrigzinspolitik werden aber auch zunehmend bei der Altersvorsorge und auf dem Immobilienmarkt sichtbar. Während die Versicherungen um ein Geschäftsmodell bangen, hält die Flucht des Kapitals in Sachwerte an. Steigende Hauspreise sind die Folge, die oft auf die Mietsätze durchschlagen.

Die Nachteile der Geldschwemme dürfte der EZB bekannt sein, doch was wäre die Alternative? Wenn die Südländer schon in Boom-Jahren keine höheren Zinsen verkraften, dann werden sie es in Zeiten des Abschwungs erst recht nicht. Die Politik des billigen Euro rettet hochverschulderte Euro-Länder vor dem Bankrott und die EU somit vor dem Kollaps. Einfach wird es nicht, diesem Dilemma zu entfliehen.

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