EU-Gipfel EU-Gipfel zu Brexit: Erst denken, dann handeln

Meinung – Marion Trimborn | 28.06.2016, 20:37 Uhr

Die Briten haben in einem Referendum für den Ausstieg aus der EU gestimmt. Doch wie soll die Scheidung genau ablaufen? Europas Spitzenpolitiker wissen das auch nicht genau. Sie setzen weiter auf mehr Integration, einige drängen auf schnelle Entscheidungen. Das wäre ganz falsch.

Haben Europas Politiker wirklich nichts aus dem Brexit-Votum gelernt? Es sieht ganz so aus. Beim EU-Gipfel ist von einer großen Reform, die die EU wirklich verändern, menschennäher und weniger bürokratisch machen könnte, nicht die Rede. Dabei haben die Briten deutlich gemacht, dass sie mit der EU in der jetzigen Form nichts mehr zu tun haben wollen. Das war ein Denkzettel im Namen der europäischen Bürger. Doch die Staats- und Regierungschefs setzen auf den alten Reflex, sprich mehr Integration. Das wird nicht gut gehen. Damit legen die Europäer die Basis für neue Niederlagen - etwa bei Referenden in anderen Ländern.

Ein Fehler ist es auch, auf eine schnelle Scheidung zu drängen, wie sie das EU-Parlament verlangt. Das klingt wie ein Rausschmiss. Niemand weiß bisher, wie das neue Verhältnis zu London aussehen soll. Brexit-Befürworter wie Boris Johnson hatten keinen Plan für den Tag danach, deshalb haben sie jetzt auch keine Eile mit dem Austritt. Verständlich, denn es gibt keine Vorlage, an der man sich orientieren könnte. Die Scheidung ist kompliziert und hat enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft, auf Jobs und damit auf die Bürger. Das braucht Zeit. Nicht zu vergessen: Die Briten bleiben ein wichtiger Partner und ein wichtiger Markt, deshalb muss die Scheidung sanft ausfallen. Es ist Wunschdenken zu hoffen, die Briten könnten sich in einem zweiten Referendum noch anders entscheiden. Die EU-Spitzen sollten sich aber auch nicht von dem Gefühl leiten lassen, es den Briten jetzt mal so richtig zu zeigen.

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