Kommentar Erdgas-Streit zwischen Türkei und Zypern: Es gibt nur einen Weg

Meinung – Melanie Heike Schmidt | 15.07.2019, 21:24 Uhr

Seitdem die mächtigen Erdgasvorkommen vor der Küste Zyperns entdeckt wurden, spitzt sich die Lage zwischen der Türkei und Zypern zu. Nun beschäftigt das Thema auch die EU-Außenminister. Eskaliert es nun weiter? Nicht unbedingt.

Die Pleitejahre sind vorbei, Zypern ist die neue Schatzinsel im Mittelmeer. Geschätzte 600 Milliarden Euro liegen vor der Küste der geteilten Insel in Form von Erdgas im Meeresgrund. Ein Schatz, der Begehrlichkeiten weckt. Sowohl die Türkei als auch das EU-Mitglied Zypern erheben Ansprüche und überziehen sich mit Drohungen und Vorwürfen. Das reflexartige Fingerzeigen auf den jeweils anderen hat zwar traurige Tradition. Indes, Probleme löst es nicht.

Einzig die Türkei hat Nordzypern anerkannt, der Rest der Welt sieht die Insel im Ganzen als Teil der EU. Diese Positionen sind unvereinbar. Das Erdgas und mit ihm kräftige Gewinne und Machtzuwachs für den, der die Nase vorn hat, verwandeln das Mittelmeer nun in ein Pulverfass. Kaum verhohlene Kriegsdrohungen der Türkei zwingen die EU zur Reaktion, wenn auch die Sanktionen eher symbolisch ausfallen. Kein Wunder: Dass die Türkei auch noch den mühevoll errungenen Flüchtlingspakt wieder aufschnürt, will niemand. Genauso wenig wie eine militärische Eskalation.

Was also ist zu tun? Es gibt nur einen Weg: Verhandlungen. Die Gespräche zur Wiedervereinigung sollten fortgeführt werden. Auch die Idee, die Gasgewinne in einen Fonds zu packen, der nach einer Wiedervereinigung allen Zyprioten zugutekommt, hat ihren Reiz. Vielleicht wird der Schatz vor Zypern doch noch zum Katalysator für eine Lösung?

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