EKD-Ratsvorsitzender Osnabrücker Friedensgespräch: Warum ist Luther heute aktuell?

Von Stefanie Witte | 23.02.2017, 21:46 Uhr

Was ist an Luther heute noch aktuell? Beim Osnabrücker Friedensgespräch war am Donnerstagabend der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm zu Gast – und erklärte, wie er heute mit Menschen auf der Straße ins Gespräch kommen wolle.

Dass da ein prominenter Gast in die Osnabrückhalle gekommen war, wurde deutlich, bevor der Mann sein erstes Wort gesprochen hatte: Fotos von Heinrich Bedford-Strohm lagen bereits auf den Speicherkarten zahlreicher sorgsam positionierter Smartphones, als Moderator Reinhold Mokrosch in seinem Eröffnungsvortrag noch danach fragte, inwieweit Luthers Themen heute aktuell seien.

„Ich muss nicht tun, ich darf einfach sein“

Bedford-Strohm, seit 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirchen Deutschlands, sprach am Donnerstagabend neben dem Soziologen Hans Joas von der Berliner Humboldt-Universität. Uni und Stadt Osnabrück schlugen damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Veranstaltung schloss zum einen den zweitägigen Religionskongress anlässlich des Reformationsjubiläums ab und bildete zum anderen den Auftakt für die Osnabrücker Friedensgespräche in diesem Jahr.

Was also ist das Aktuelle an Luther? Bedford-Strohm nannte die Erkenntnis des Reformators: „Ich muss mir meinen Wert nicht verdienen – durch Fleiß, durch Arbeit, durch Leistung.“ Der Mensch habe einen Wert an sich. „Ich muss nicht tun, ich darf einfach sein“ – das sei die zentrale Erkenntnis Martin Luthers. Auch heute reagierten Menschen auf diese Erkenntnis noch „mit einem inneren Aufatmen.“

Das Eintreten für eine Welt, in der alle Menschen würdig leben können, sei Luthers Anliegen gewesen und das sei nach wie vor aktuell. „Es geht darum, Christus heute neu zu entdecken.“ Er freue sich daher sehr, „dass der Bruder Bode heute da ist“, sagte Bedford-Strohm mit Blick auf den Osnabrücker Bischof.

Schnelldurchgang durch Thesen der Reformation

Der Soziologe Hans Joas von der Berliner Humboldt-Universität führte zunächst im Schnelldurchlauf durch mehrere Thesen zur Reformation, kündigte an, nicht predigen zu wollen, ereiferte sich dann aber doch, als er feststellte: Weder Frömmigkeit noch Bildung hätten zu Luthers Zeiten am Boden gelegen.

Anschließend befragten Mokrosch und Theologieprofessorin Martina Blasberg-Kuhnke die beiden Männer zu zahlreichen Themen. Mokrosch sprach etwa von Luthers „Angst, vor Gott nicht bestehen zu können“. Das sei eine Herangehensweise, „die heute in der Fußgängerzone niemand mehr nachvollziehen kann.“ Bedford-Strohm antwortete, er wolle mit diesen Menschen ins Gespräch kommen. Viele seien der Auffassung, die Welt ginge den Bach runter. „Ich wüsste nicht, woher meine Hoffnung für die Welt käme, wenn ich nur nach dem gehe, was gut läuft.“