Eine-Million-Grenze überschritten Libanon ächzt unter Last syrischer Flüchtlinge

Von Franziska Kückmann | 03.04.2014, 14:07 Uhr

Die Flüchtlingssituation im Libanon spitzt sich zu: Erstmals hat die Zahl der aus Syrien in das kleine Land Geflohenen die Millionengrenze durchbrochen. Der kleine Staat droht unter dieser Last zu zerbrechen.

Eine Million Menschen – das entspricht einem Viertel der Bevölkerung des Libanons, wie das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Donnerstag mitteilte. Jeden Tag kämen 2500 neue Flüchtlinge hinzu. Der Libanon beherbergt damit den Angaben zufolge weltweit die höchste Zahl an Flüchtlingen im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung: Auf etwa vier Libanesen komme ein syrischer Flüchtling. In vielen Orten lebten mehr Flüchtlinge als Einheimische.

Diejenigen Flüchtlinge, die dazu die Gelegenheit bekommen, arbeiten im Libanon zu Dumpinglöhnen – womit sie den Unmut der libanesischen Bevölkerung auf sich ziehen, weil die Löhne dadurch drastisch gesunken sind. Hinzu kommen Hunderttausende Kinder im Vorschulalter, die keine Chance auf Bildung hätten. Schätzungen der Weltbank zufolge hat der Flüchtlingsansturm die Volkswirtschaft im Zedernstaat bisher mit etwa 1,8 Milliarden Euro belastet. Durch den Konflikt in Syrien gingen wirtschaftliche Investitionen aus dem Ausland zurück, auch der Tourismus brach ein. Immer wieder wird auch die Hauptstadt Beirut von Anschlägen erschüttert.

Der Libanon droht seit Längerem in den seit drei Jahren wütenden Krieg in Syrien hineingezogen zu werden. Traditionell bestehen enge politische und gesellschaftliche Verbindungen zwischen den beiden Ländern, nicht zuletzt durch die lange Besetzung des Libanons durch Syrien. Mit eigenen innenpolitischen Problemen hat der Libanon genug zu kämpfen – hinzu kommt nun die nicht zu bändigende Flüchtlingsproblematik.

Darüber hinaus nutzen viele Gruppen aus dem syrischen Krieg das Nachbarland als Rückzugsort. Die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah gilt als Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Im Libanon stehen sich zwei politische Koalitionen gegenüber : die des „8. März“, zu der unter anderem der politische Arm der Hisbollah gehört und die pro-syrisch eingestellt ist , sowie die des „14. März“, die als pro-westlich gilt und eher der Opposition in Syrien zugeneigt ist. Das sorgt neben der religiösen Zersplitterung des Libanons für zusätzliche Spannungen.

Von den erforderlichen rund 1,37 Milliarden Euro Hilfsgeldern für das Jahr 2014 habe die internationale Gemeinschaft bislang erst rund 175 Millionen aufgebracht, mahnten die Vereinten Nationen. „Wir können das Land mit dieser Last nicht alleine lassen“, so UNHCR-Hochkommissar Antonio Guterres.

Aus Syrien sind nach UNHCR-Angaben bisher insgesamt etwa 2,6 Millionen Menschen geflohen. Die Türkei, Jordanien und der Irak sind neben dem Libanon die wichtigsten Aufnahmeländer. Innerhalb Syriens sind laut UNHCR mehr als 6,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht. Das UNHCR sprach kürzlich vom „größten Flüchtlingsdrama der Welt“ . Seit Ausbruch des Syrien-Konflikts im März 2011 starben nach Schätzungen mehr als 130.000 Menschen.

(mit dpa, KNA, epd)

TEASER-FOTO: