Kommentar Europawahl: Fingerzeig Richtung künftiger Koalitionen

Meinung – Ralf Geisenhanslüke | 26.05.2019, 21:42 Uhr

Die Europawahl hat in Deutschland die Trends der jüngsten nationalen Wahlen fortgesetzt: Die Grünen sind die großen Gewinner, die Union verliert – und die SPD steht am Abgrund. Die beste Nachricht des Abends: Die Bürger interessieren sich für Europa und gehen zahlreich wählen. Ein Kommentar.

Europa stand noch nie so im Blickpunkt seiner Bürgerinnen und Bürger wie an diesem Wochenende. Schon lange nicht mehr sind so viele Menschen zur Wahl gegangen und haben sich für die Europäische Gemeinschaft interessiert. Sie haben damit auch unterstrichen, dass es für den Frieden und für das wirtschaftliche Wachstum nur eine gemeinschaftliche Idee und Strategie für Europa geben kann. Das Interesse an Politik insgesamt und allgemein ist gestiegen - und das ist gut so. (Weiterlesen: Liveblog zur Europawahl)

In Deutschland haben sich im Großen und Ganzen die Trends der vergangenen nationalen Wahlen fortgesetzt. Die CDU/CSU verliert weiter, weil sie es als noch stärkste Volkspartei nicht schafft, kraftvoll und bürgernah Politik umzusetzen. Kein Fiasko für die neue Parteichefin Kramp-Karrenbauer, aber auch nicht unbedingt Rückenwind. (Weiterlesen: Union trotz Verlusten stärkste Kraft, Grüne vor der SPD)

Das Vertrauen der Bürger genießen derzeit die Grünen, die ihr Ergebnis sensationell verdoppeln konnten. Gerade jüngeren Wählern, die auch für die gute Wahlbeteiligung verantwortlich zu sein scheinen, ist eine Politik mit dem Schwerpunkt Umwelt sehr wichtig. Die Deutschen vertrauen fast mehrheitlich einem schwarz-grünen Lager aus CDU/CSU und Grünen. Ein deutlicher Fingerzeig in Richtung künftiger Koalitionen.

Die SPD rast weiter ungebremst auf den politischen Abgrund zu. Andrea Nahles hat als Parteichefin nicht annähernd gegensteuern können. Nun sind personelle Alternativen gefragt. (Weiterlesen: Schulz will in der SPD-Fraktion gegen Nahles antreten)

Zum Glück sind die Rechtspopulisten nicht massiv weiter auf dem Vormarsch in Europa. Sie gewinnen zwar leicht dazu, werden aber nicht deutlich mehr Einfluss in Europa erhalten. Und auch das ist gut so.