Donald Trump wird 70 Ist Trump zu alt für das Amt des US-Präsidenten?

14.06.2016, 06:55 Uhr

Wenn er Präsident wird, will Musiker Neil Young, wohnhaft in Kalifornien, auswandern. Doch Trump, umstrittender Präsidentschaftskandidat, schert sich nicht um kritische Stimmen, auch nicht um die seines Biografen Michael D‘Antonio. Heute wird Trump 70 Jahre alt. Ist der rabiate Milliardär damit zu alt für das Amt?

Wer Trump im Wahlkampf 2016 beobachtet, könnte der sich nicht sofort vorstellen, wie Donald als Schuljunge mit Radiergummis wirft? Und mit Tortenstücken? Hat er wirklich.

„Donald Trump ist eine extrem emotionale Person mit erratischem Verhalten – auch, wenn er sich jedem anderen Menschen auf der Erde überlegen fühlt. Diese Eigenschaften lassen mich die Aussicht auf eine Präsidentschaft Trumps fürchten.“ Das sagt Michael D’Antonio im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Seine Trump-Biografie erscheint zu Trumps 70. Geburtstag an diesem Dienstag auf Deutsch.

Bild eines Egomanen

Für Trump- oder Politikinteressierte ist dieses Buch ein Geschenk, für das Geburtstagskind eher nicht. In bester angelsächsischer Schreibtradition webt D’Antonio eingängig und in größer Sorgfalt das präzise, dichte, quellenreiche und einprägsame Bild eines eigentlich Unpolitischen, eines Egomanen und Materialisten. „Seine Persönlichkeit ist so extrem, dass ihm zuzusehen so ist, als würde man einen Film anschauen“, sagt D’Antonio, der früher Journalist war. Das mache es vielen sehr leicht, sich in Trump wiederzufinden. Trump glaube fest daran, wegen seiner genetischen Ausstattung viele Dinge viel besser als andere zu können.

Reagan war der bisher älteste Kandidat

Apropos Schauspieler: Wer sich angesichts des 70. Geburtstages von Donald Trump leise denkt, damit sei er doch bestimmt zu alt für das Amt des US-Präsidenten, der irrt. Denn es gibt zwar eine altersmäßige Untergrenze für das Amt – 35 Jahre –, nicht aber eine Obergrenze. Bisher war Ex-Schauspieler Ronald Reagan der Älteste im Amt. Bei seiner Vereidigung im Januar 1981 war Reagan 69. Insofern steht Trump zumindest in dieser formalen Hinsicht nichts im Weg.

Ein schwieriges Kind

Donald Trump, Sohn des New Yorker Baulöwen Fred Trump, war kein einfaches Kind: riesiger Hunger nach Aufmerksamkeit, unbeherrscht, empfindlich. Was D’Antonio von Schulen, Unis und Wegbegleitern Trumps zusammengetragen hat, ist sehr erhellend, ermöglicht die Ableitung heutiger Verhaltensmuster. Allein zwei Zitate von Vater Fred an die Adresse des Sohnes: „Du bist ein König.“ Und: „Sei ein Killer.“

Die Trump-Show

Donald wird später sagen: „Die Show heißt Trump, und sie ist überall ausverkauft.“ Früh schrieb die „Vanity Fair“: „Donald glaubt an die Theorie der großen Lüge. Wenn man etwas immer wieder und wieder sagt, glauben einem die Leute irgendwann.“ Parallelen zum Wahlkampf 2016, in dem Trump Fakten beharrlich negiert?

Früh findet Donald, dass der Name Trump alles wertvoller mache. Kombiniert mit dem Erleben eigener Großartigkeit mündet das letztlich in die Bewerbung um das mächtigste weltliche Amt, das man anstreben kann. D’Antonio: „Er wollte immer ganz, ganz vorne sein. Als er sich entschied anzutreten, meinte er das vollkommen ernst. Er hat mir 2013 von seinen Absichten erzählt, und ich habe ihm geglaubt.“ Nun wolle er mit Amerika zurück in die 50er-Jahre, sei doch damals seiner Ansicht nach alles besser gewesen.

Unendlicher Ehrgeiz

Trump – Nichtraucher, kein Alkohol, keine Drogen, die sehr aufrechte Körperhaltung aus der Militärschule, konsequenter Nichtleser und Nachrichtenjunkie – werde von unendlichem Ehrgeiz getrieben. „Für ihn dreht sich alles ums Bekommen, nicht ums Haben“, sagt D’Antonio. „Ein enormer Ehrgeiz, der wenig Raum lässt für andere Charakterzüge.“

Zitat aus dem Buch: „Im Herbst seines Lebens bleibt Trump seinen leidenschaftlich verfolgten Zielen treu: Kämpfen, Konsumieren und dem Planeten seinen Namen aufdrücken.“

Der Mensch Trump scheint von der Marke Trump nicht zu lösen. Er ist schon jetzt einer der bekanntesten Menschen der Welt.

Frauen? Haben eher dekorativen Charakter

Wer so denkt, baut sich in der Konsequenz eine Boeing 737 zum Privatflieger um (43 Plätze, normalerweise mehr als 200). Wird befeuert vom sehr amerikanischen Ehrgeiz, ein Imperium formen zu wollen. Lebt in einer harten, virilen, autoritären Welt, in der Frauen eher dekorativen Charakter haben. Immer energiegeladen, existiert er seit frühen Jahren in einer engen Wirtsbeziehung zu den US-Medien, erst recht als Fernsehstar und Schwerreicher. Den Trennungen von seinen Frauen folgten „Sturzfluten der Berichterstattung“.

Öffentlich ungehobelt – privat charmant?

„Ich habe für mich selbst ein Comicbuch geschrieben, und das Leben darin gefällt mir sehr“, sagt Trump. Viele Stunden hat D’Antonio mit ihm gesprochen. Es ist sehr interessant, dass er wie auch andere Interviewer den öffentlich so ungehobelten Trump auch als nachdenklich erlebt, als sehr charmant und freundlich. Warum dieser Bruch zur öffentlichen Person? D’Antonio: „Schein und Image sind alles. Trump reflektiert damit auch ein amerikanisches Grundmuster.“

Haarhelm im „Zuckerbäckerstil“

Auch für Trumps emblematischen Haarhelm (D’Antonio: „Zuckerbäckerstil“) hat die Biografie eine feine Erklärung. Einem Weggefährten vertraut Trump an: „Für einen Mann ist nichts Schlimmeres vorstellbar, als sich damit abzufinden, eine Glatze zu bekommen. Sehen Sie zu, dass Sie niemals kahl werden.“

D’Antonio hält Trump für einen geradezu mustergültigen Narziss. Und für ein Kind seiner Zeit: Wichtig seien Oberflächen, Image, Marketing, Prominenz, die mediale Erweiterung des Selbst über soziale Medien. „Er ist unverkennbar einer von uns“, so erschreckend das auch sei. Für beide Seiten.

An diesem Dienstag wird Trump 70 Jahre alt. Dass er damit ruhiger wird, ist nicht zu erwarten.

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