Debatte über die Pflegereform NOZ-Podiumsdiskussion: Mehr Geld für die Pflege gefordert

Von Christian Lang | 14.01.2016, 00:12 Uhr

Die Pflegereform stand am Mittwochabend im Fokus der Podiumsdiskussion im NOZ-Medienhaus. DIe Gesprächsrunde bildete den Höhepunkt der ersten NOZ-Agenda des Jahres. Obwohl die Gäste darin einig waren, dass das Zweite Pflegestärkungsgesetz eine Verbesserung darstellt, entfaltete sich vor rund 160 Zuhörern eine kontroverse Diskussion unter Leitung von NOZ-Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke.

Am Anfang hatte Bettina Michel das Wort. Die Tochter des ehemaligen Schalke-Managers Rudi Assauer sprach über den Gesundheitszustand ihres dementen Vaters, den sie seit mehreren Jahren pflegt. Ihrem Vater gehe es mittlerweile besser als vor einigen Jahren, so Michel. Rudi Assauer sei ein Kämpfer, das würde man jeden Tag merken, sagte sie weiter. Doch wie sich sein Zustand in den kommenden Jahren entwickeln werde, darüber könne man keine Prognose abgegeben.

Freunde unterstützen Michel

Aber woher nimmt sie die Kraft, ihren Vater jeden Tag zu pflegen? „Ich habe ein sehr gutes Netzwerk aus Freunden, die mich unterstützen“, so die 50-Jährige.

In der anschließenden Diskussionsrunde beleuchteten die Gäste die Pflegereform, die im Dezember vergangenen Jahres vom Bundesrat beschlossen wurde. Laut Karl Josef Laumann, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege, sei das Zweite Pflegestärkungsgesetz überfällig gewesen.

„Wir haben ein gutes Gesetz gemacht“

 Vor allem an Demenz erkrankte Personen werden durch die Reform profitieren, so Laumann, der ergänzte: „Wir haben ein gutes Gesetz gemacht.“ Personen, die im Heim gepflegt werden, hätten demnach die gleichen Ansprüche auf Leistungen, wie Menschen, die zu Hause gepflegt werden. Da das Gesetz erst in einem Jahr in Kraft trete, hätten die Beteiligten noch ein paar Monate Zeit, den Sinn des Gesetzes zu verstehen.

Pflege ist mehr als Verrichtung

Auch Andreas Büscher, Professor für Pflegewissenschaft an der Hochschule Osnabrück lobte das Gesetz. Er begründete das vor allem damit, dass Pflege nun anders definiert werde. Lange habe man darunter bloße Verrichtung verstanden, nun gehe es um die Unterstützung von Menschen, die nicht mehr selbstständig seien. (Weiterlesen: Dorfleben 2.0: Das Älterwerden im Digitalzeitalter) 

Wird zu wenig in die Pflege investiert?

Für Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, gehen die Veränderungen dagegen nicht weit genug. „Wir sind nicht am Ende der Diskussion“, sagte er. Vor allem für die Begleitung Sterbender in Heimen werde derzeit noch zu wenig investiert, betonte Brysch. Es sei generell das Problem, dass zu wenig Geld für die Pflege bereit gestellt werde. „Pflege muss so organisiert werden, dass wir keine Angst mehr vor der Pflege haben“, resümierte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Laumann gab zu, dass das neue Gesetz auch noch Verbesserungspotential aufweise. „In der Politik bekommt man aber nicht immer alles auf einmal hin“, warb er um Verständnis.

Soll Ausbildung vereinheitlicht werden?

Im zweiten Teil der Podiumsdiskussion debattierten die Gäste über das umstrittene Pflegeberufegesetz, das am Mittwoch vom Bundeskabinett abgenickt wurde. Das Gesetz sieht eine Vereinheitlichung bei der Pflegeausbildung vor. Es sei gut, allen die gleichen Ansätze bei der Pflege beizubringen, so Andreas Büscher. „Es macht Sinn, die Ausbildung zusammenzuführen“, lautete sein Resümee.

Laumann: Höhere Löhne sind nötig

Auch Laumann zeigte sich von den Vorzügen des Pflegeberufegesetzes überzeugt, auch wenn er zugab, dass es auch Argumente für das alte System gebe. Er habe die Hoffnung, dass sich die Pflege besser organisieren und dadurch eine stärkere Machtposition einnehmen kann. Doch auch die Löhne müssten in der Branche noch erhöht werden, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen.

Brysch: Pflegern mehr zutrauen

In eine ähnliche Kerbe schlug auch Eugen Brysch. Im Vergleich zu den Ärzten werden Pfleger zu sehr degradiert, so der Patientenschützer. Eine verbesserte Ausbildung reiche nicht aus, vielmehr müsste man den Pflegern auch zutrauen, dass sie eigenständig die richtigen Entscheidungen treffen können. „Wir werden zu sehr gegängelt“, so sein Resümee.

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