De Maizières Fehleinschätzung Kein Grund zur Entwarnung: Pegida ist überall

Meinung – Uwe Westdörp | 06.01.2015, 20:05 Uhr

18 000 Pegida-Anhänger in Dresden - allein die Zahl sorgt dafür, dass Islamfeindlichkeit auf der politischen Agenda bleibt. Auch das Ausland schaut inzwischen genauer hin. Innenminister Thomas de Maizière warnt trotzdem vor einer Überbewertung. Das ist riskant.

Ist Pegida tatsächlich nur ein regionales Phänomen, wie Innenminister Thomas de Maizière vermutet? Wer die Aktionen der Gruppierung beobachtet, kann zu diesem Schluss kommen. Dresden ist zugleich Ausgangspunkt und Hauptstadt der islamkritischen Bewegung. 18000 Menschen versammelten sich dort zur vorerst letzten großen Montagsdemo gegen eine angeblich drohende Islamisierung des Abendlandes. In anderen Städten war der Zulauf dagegen deutlich geringer und die Zahl der Gegendemonstranten erfreulich hoch.

Dennoch ist das Problem der Fremdenfeindlichkeit keineswegs örtlich begrenzt. Ein Drittel der Befragten äußerte unlängst in einer Umfrage antidemokratische und menschenfeindliche Einstellungen. Deutlich mehr als die Hälfte aller nicht-islamischen Bürger in Deutschland empfinden den Islam als Bedrohung. Mit anderen Worten: Pegida ist (fast) überall.

Ein kluger Rat aus der Wissenschaft lautet deshalb, ein neues deutsches Leitbild zu entwickeln und offensiv zu vermitteln – in Schulen, Politik und Medien. Zentrale Aussage muss dabei sein, dass die Bundesrepublik seit ihrer Gründung ein Zuwanderungsland ist. Millionen Weltkriegsflüchtlinge, Gastarbeiter, Aussiedler, Spätaussiedler und Flüchtlinge wurden aufgenommen – und Deutschland ist bekanntlich sehr gut damit gefahren.