Das Kalifat schrumpft Gebietsverluste des IS: Eine Frage der Priorität

Meinung – Franziska Kückmann | 22.12.2015, 14:05 Uhr

Nur auf den ersten Blick bedeutet der Gebietsverlust des sogenannten Islamischen Staats (IS) in Syrien und im Irak eine Schwächung der Terrormiliz.

Zweifelsohne ist es erfreulich, dass der IS in diesem Jahr seinen Einfluss in einigen Territorien verloren hat. Doch sollte sich niemand täuschen lassen: Die Terroristen scheinen es durchaus einkalkuliert zu haben, Gebiete in Nordsyrien an die Kurden zu verlieren – um wiederum in Westsyrien die prestigeträchtige Oasenstadt Palmyra einnehmen und halten zu können. Der IS setzt Prioritäten. 

In den dauerhaft kontrollierten Regionen festigt die Miliz ihre Macht. Dies gelingt ihr auch deshalb, weil Syrien ein zerfallender Staat ist und der Irak immer mehr zu einem wird. Die Großoffensive des irakischen Militärs in der Stadt Ramadi ist zugleich ein Aufbäumen gegen diese Tendenz. Gelingt es, den IS von hier zu vertreiben, wäre dies ein beachtlicher Erfolg für die geschwächte Zentralgewalt in Bagdad.

Dass zugleich die Kurden in Nordsyrien ihren Einfluss deutlich ausgeweitet haben, facht den Missmut der benachbarten Türkei an. Für Ankara sind die Kurden noch verhasstere Gegner als der IS, weil sie deren Autonomiebestrebungen fürchten. Diese Entwicklung wird deshalb den ohnehin schon eskalierenden türkisch-kurdischen Konflikt verschärfen – das sind düstere Aussichten.