CSU wollte Ukrainerin nominieren Minister überdenkt Nobelpreis-Idee für Timoschenko

28.03.2014, 07:00 Uhr

Julia Timoschenko als Friedensnobelpreisträgerin? Die ukrainische Spitzenpolitikerin, die am Telefon darüber sinniert, anderen Staatschefs „in den Kopf zu schießen“? Klingt nach keiner besonders guten Idee. Vor wenigen Wochen, als der Maidan-Platz in Kiew brannte, sah das allerdings noch anders aus: Da überlegten Teile der CSU, Timoschenko offiziell beim Nobelpreiskomitee zu nominieren.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) distanzierte sich am Donnerstag auf Anfrage von früheren Äußerungen, in denen er eine Kandidatur der ukrainischen Ex-Ministerpräsidentin Timoschenko für den Friedensnobelpreis befürwortet hatte. „Friedensnobelpreise im Ukraine-Konflikt sind nur dann zu verdienen, wenn nachhaltiger Frieden und Zusammenarbeit von allen Beteiligten in der Region erreicht sind“, sagte er unserer Zeitung.

Im Hinblick auf die verbalen Entgleisungen Timoschenkos, die in einem Telefonat – wohl mit Verweis auf Kremlchef Wladimir Putin – gesagt hatte, sie sei „selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen“, sagte Schmidt am Donnerstagabend: „Gewaltfantasien sind inakzeptabel und nie ein nobler Weg.“

Julia Timoschenko, die falsche Prinzessin - Ein Kommentar der NOZ

Im Januar 2014 hatte Schmidt auf einem Treffen des CSU-Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik die damals noch inhaftierte Timoschenko als mögliche Kandidatin für den Friedensnobelpreis ins Gespräch gebracht. Damit habe Bayerns CSU ein internationales Zeichen setzen wollen, das die Ukraine vielleicht dazu bewegen könnte, die kranke Politikern aus der Einzelhaft zu entlassen, berichtete die „Augsburger Allgemeine“ seinerzeit.

Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin kommentierte dies am Abend gegenüber unserer Zeitung so: „Frau Timoschenko ist mit ihren Äußerungen im Moment eher eine Belastung für die Situation in der Ukraine, denn ein Garant für Frieden. Es ist unserem Land zu wünschen, dass Minister Schmidt in Zukunft seine Vorschläge besser überlegt.“

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