Neue Justizministerin in Berlin Christine Lambrecht als Überraschungs-Kandidatin - Neue Justizministerin in Berlin

Von Beate Tenfelde | 19.06.2019, 19:05 Uhr

Schnelle Schritte, fixe Antworten: Christine Lambrecht , ab 1. Juli neue Bundesjustizministerin, ist in Berlin keine Unbekannte.

Und dennoch hatte sie keiner auf der Rechnung, als wochenlang die Nachfolge von Bundesjustizministerin Katarina Barley offenblieb. Diese wechselt nach Brüssel. Die Sozialdemokraten hatten laut Koalitionsvertrag nun das Vorschlagsrecht für das Justizressort. Gesucht wurde eine Frau - was erfahrene Minister wie den Niedersachsen Boris Pistorius von vornherein ausschloss.

Lambrecht, die gerade 54 Jahre alt wurde, gehörte bisher nicht zum Favoritenkreis – als Parteilinke war sie mehrfach gegen den Strom geschwommen und hatte sich dadurch nicht immer beliebt gemacht.Die Rechtsanwältin sitzt seit 1998 im Bundestag. Sie war hier unter anderem Mitglied im Rechtsausschuss, Fraktionsvize und parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion. Seit März 2018 ist sie parlamentarische Staatssekretärin bei Finanzminister Olaf Scholz (SPD).

Im Schatten des Chefs

Dort stand Lambrecht im Schatten ihres Chefs. Als ehrgeizig und zielstrebig aufgefallen war sie dagegen als Geschäftsführerin der SPD-Fraktion.Sie verscherzte sich allerdings die Sympathien der Journalisten gleich zu Beginn, als sie vorgab, in der Kinderporno-Affäre des SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy nicht informiert gewesen zu sein. Am 11. Februar 2014 wurde Lambrecht nach den Gerüchten gefragt. "Die genannten Gründe - Besitz von Kinderpornographie - sind sehr schwerwiegend", sagte sie, erklärte aber dann, über die genauen Vorwürfe nichts zu wissen. Im Dezember 2013 hatte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann - so stellte sich später heraus - Lambrecht aber schon über den Verdachtsfall Edathy unterrichtet.

Lambrecht erreichte als Geschäftsführerin nicht das Format ihres Vorgängers Oppermann , weil sie es - anders als dieser - an Humor und Verbindlichkeit fehlen ließ. Der kommissarische SPD-Chef Torsten Schäfer-Gümbel strich gestern Lambrechts Sachverstand in der Innen- und Rechtspolitik heraus. „Es gibt praktisch kein rechtspolitisches Feld, in dem sie sich nicht auskennt", sagte er über die in Mannheim geborene Hessin. Diese berichtete, dass sie erst am Morgen von ihrer geplanten Nominierung erfahren habe. Bei der SPD ist derzeit vieles möglich - die Personaldecke ist dünn.

Lambrecht betonte mit Blick auf ihr Ministeramt, es sei aktueller denn je, den Rechtsstaat zu verteidigen. Sie bezog sich damit offenbar auf den tödlichen Angriff auf den Kasseler Regierungspräsidenten und die anschließende rechtsextremistische Hetze im Netz.

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