Kommentar Chinesischer Investitionsrückgang gibt keinen Anlass zum Triumpf

Meinung – Thomas Ludwig | 12.08.2019, 19:45 Uhr

Chinesische Unternehmen investieren weniger in Deutschland und in Europa. Dennoch sollte der Westen die Konkurrenz aus der Volksrepublik nicht unterschätzen.

Eine ganze Weile sah es so aus, als stünden Europa und Deutschland vor dem Ausverkauf. Über Jahre hinweg erreichten chinesische Investitionen und Firmenkäufe immer neue Rekorde – als Ausdruck wachsender ökonomischer Stärke. In gleichem Maß wuchs die Angst vor der Unersättlichkeit des chinesischen Drachen. Und nun?

Investitionen und Zukäufe chinesischer Unternehmen gehen zurück. Der Appetit des Drachen scheint vorerst gezügelt. Auch die Herrscher im Reich der Mitte können wirtschaftliche Wechselwirkungen nicht aushebeln. Das beruhigt. Doch auch wenn der chinesische Wettbewerber schwächeln mag – unterschätzen sollte ihn der Westen nicht.

Denn die Kommunistische Partei in Peking hat ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: Bis 2025 will sie den Westen technologisch einholen. Zum 100. Geburtstag der Volksrepublik Ende 2049 soll er dann überflügelt sein. Und Skrupel kennt Chinas Führung bei der Verfolgung ihrer Ziele bekanntlich nicht.

Deshalb ist es gut, vorzubauen. Das haben Deutschland und die EU mit neuen Kontrollmechanismen für ausländische Investitionen getan. Drohen Sicherheitsrisiken oder Technologieklau, kann die Politik intervenieren. Das ist richtig so. Doch es ist stets auch die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Denn Wachstum und Innovation leben schließlich von freien Märkten.