"Erstklässler sollten deutsch können" CDU-Politiker Linnemann löst heftigen Schul-Streit aus

Von Beate Tenfelde | 06.08.2019, 17:29 Uhr

CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann hat mit der Aussage, wonach Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen "in der Grundschule noch nichts zu suchen haben", eine heftige Debatte ausgelöst.

„Der Vorschlag ist falsch. Kinder müssen eingeschult werden, wenn sie das Schulpflichtalter erreichen", sagte die Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes, Maresi Lassek, dem SWR. Schulen seien darauf eingestellt, Kinder mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen zu empfangen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger sagte, Linnemann habe natürlich Recht damit, dass die eigentliche sprachliche Förderung vor der Grundschule erfolgen müsste.

Auch der Wirtschaftsrat der CDU verteidigte Linnemann, der stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag ist."Das ist eine berechtigte Debatte, die er angestoßen hat. Denn geringe Deutschkenntnisse münden in schlechte Abschlüsse oder Schulabbrüche", sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger unserer Redaktion. Das Ergebnis solcher Entwicklungen seien "Armutskarrieren". Auch der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, sprach von einem „richtigen Vorstoß".

"Notfalls später"

Linnemann hatte der „Rheinischen Post" gesagt: „Es reicht nicht nur, Sprachstandserhebungen bei Vierjährigen durchzuführen, sondern es müssen auch Konsequenzen gezogen werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen." Hier muss laut Linnemann eine Vorschulpflicht greifen. Notfalls sollte eine Einschulung auch zurückgestellt werden. Es müssten alle Alarmglocken schrillen, wenn bei Sprachtests wie in Duisburg über 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten, sagte der CDU-Politiker.

„Die Vorfälle in Freibädern, die Tat auf dem Frankfurter Bahnsteig, die Schwertattacke in Stuttgart - das alles wühlt die Menschen auf und befeuert die Sorge, dass neue Parallelgesellschaften entstehen könnten. Dem müssen wir jetzt vorbeugen" , erklärte Linnemann. Den Begriff „Grundschulverbot" - den dpa zunächst verwendet hatte - wies der CDU-Politiker zurück.

Kritik kam von SPD, Linkspartei und Grünen. „Die Ausgrenzung von Kindern in sogenannten Ausländerklassen ist ein Relikt der 80er Jahre, gescheitert und diskriminierend“, kritisierte Filiz Polat, migrationspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion. Laut Polat muss in eine flächendeckende integrierte Sprachförderung in allen Schulformen investiert werden. Auch sollten qualifizierte und gut bezahlte Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache zur Verfügung stehen. Linke-Chefin Katja Kipping sagte der dpa: Mit seinen Äußerungen gehe Linnemann auf „Stimmenfang im rechten Sumpf".