Bund soll Gelder bereitstellen Flüchtlingskinder in Schulen: GEW-Chefin fordert mehr Lehrer

Von Christian Lang | 25.08.2015, 07:11 Uhr

Bis zum Ende des Jahres rechnet das Innenministerium mit rund 800000 neuen Flüchtlingen, die in Deutschland Asyl beantragen. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) seien die Hälfte davon Kinder, die unter die Schulpflicht fallen. Sie müssen in das deutsche Bildungswesen integriert werden. GEW-Vorsitzende Marlis Tepe fordert daher die Anstellung weiterer Lehrer. Der Bund sollte dafür mehr Geld investieren. Denkbar sei es zudem, pensionierte Lehrkräfte zu reaktivieren, so Tepe.

Alle Kinder hätten ein Recht auf Bildung, sagt Marlis Tepe. Dieses Menschenrecht stellt das deutsche Bildungssystem in den kommenden Monaten jedoch vor massiven Herausforderungen. Mit rund 800000 neuen Flüchtlingen rechnet das Innenministerium noch bis Ende des Jahres. Die Hälfte davon seien Kinder, die der Schulpflicht unterlägen, so Tepe. „Das bedeutet, dass binnen zwölf Monaten bis zu 400000 Kinder neu in die Schulen kommen“, so die GEW-Vorsitzende.

Mehr Lehrer nötig

Um eine gute schulische Betreuung für die Kinder und Jugendlichen sicherzustellen, fehle es derzeit aber an Personal. „Es müssten viele neue Lehrer eingestellt werden“, fordert Tepe daher. Eine genaue Zahl, wie viele neue Lehrer nötig wären, um das zu erwartende Defizit auszugleichen, nennt sie jedoch nicht. Tepe nimmt den Bund in die Pflicht, mehr Geld für die Länder bereit zu stellen, damit diese den Bedarf an Lehrern decken können.

Problem ist akut

„Die Politik soll mehr Ressourcen in die Hand nehmen und so viel Personal wie möglich finden“, sagt die GEW-Vorsitzende. In Nordrhein-Westfalen und Sachsen hat das neue Schuljahr schon begonnen, in den kommenden Wochen enden die Sommerferien auch in den anderen Bundesländern. Die schulische Betreuung der Flüchtlingskinder müsse daher als Thema begriffen werden, das äußerst akut sei.

Doch woher soll das zusätzliche Personal kommen? Möglicherweise seien in den Ländern ja noch viele ausgebildete Lehrer auf dem Markt, die bisher noch keine Anstellung gefunden hätten, so Tepe. Darüber hinaus sei es auch eine Möglichkeit, pensionierte Lehrkräfte zu reaktivieren, sollte der Lehrkräftearbeitsmarkt in einem Bundesland leer gefegt sein.

Lob für NRW

In einigen Ländern habe man sich auf den erhöhten Lehrerbedarf bereits eingestellt. So seien in NRW zusätzliche Planstellen geschaffen worden, berichtet Tepe.

Darüber hinaus weist sie darauf hin, dass weitere Anstellungen nicht alleine das Problem lösen würden. Die Lehrer müssten angesichts der steigenden Zahl an Flüchtlingskindern auch besser ausgebildet werden – das auch schon während des Studiums. Nicht nur Deutschlehrer sollten wissen, wie man den Kindern die deutsche Sprache beibringt. „In jedem Fach sollte Sprachförderung ein wichtiges Thema sein“,sagt Tepe. In Sprachlernklassen komme es teilweise vor, dass die Schüler acht verschiedene Sprachen sprechen – eine große Herausforderung für die Lehrer. Deshalb sollte in derartigen Klassen die Zahl der Schüler nicht höher als 15 liegen, fordert sie. Ansonsten werden die Lehrkräfte überfordert.

Schüler sind wissbegierig

Dieses liege jedoch nicht am mangelnden Engagement der Schüler. In Niedersachsen habe sie einige Sprachlernklassen besucht, sagt Tepe. „Es ist echt beeindruckend, wie wissbegierig die Schüler sind und wie schnell sie die Sprache lernen“, berichtet die GEW-Vorsitzende.

Den Flüchtlingskindern die deutsche Sprache beizubringen, sei jedoch nicht die einzige Kompetenz, über die die Lehrer verstärkt verfügen sollten. Da viele Schüler aus Krisenländer stammen und durch die Geschehnisse in der Heimat traumatisiert seien, müssten Lehrkräfte auch psychologisch geschult sein.

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