Brysch stimmt Bundesregierung zu Patientenschützer begrüßen Ja zu Cannabis für Schwerstkranke

Von Christof Haverkamp | 03.02.2015, 16:14 Uhr

Patientenschützer haben die Pläne der Bundesregierung begrüßt, Schmerzpatienten einen erleichterten Zugang zu Cannabis zu ermöglichen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch: „Es ist gut, dass die Bundesregierung ihre harte Haltung bei Cannabis aufgibt.“

Brysch erklärte, Schwerstkranke seien keine Junkies. Knapp 300 Schmerzpatienten seien hierzulande auf Cannabis angewiesen, weil andere Medikamente nicht geholfen hätten. „Sie mussten bislang juristische Hürden und hohe Kosten tragen, um legal an Cannabis zu kommen“, sagte Brysch. Diese Kranken dürften nicht länger schlechter gestellt werden als andere Schmerzpatienten. Deshalb sei es gut, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen sollen. „Die private Hanf-Plantage für Schmerzpatienten darf nicht die Lösung sein“, sagte der Patientenschützer.

Zuvor hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erklärt, sie wolle den Cannabis-Konsum für Schwerkranke zur Kassenleistung machen. „Mein Ziel ist, dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können“, sagte die CSU-Politikerin der Zeitung „Die Welt“. „Wir wollen noch dieses Jahr das Gesetz durch den Bundestag bringen, damit es ab nächstem Jahr greift.“

Chronisch kranke Schmerzpatienten, die Cannabis zur Linderung brauchen, können aufgrund der geltenden Gesetzeslage ins Visier von Ermittlern geraten. Die Cannabis-Präparate in den Apotheken sind teuer. Die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Entscheiden die Patienten sich für den Eigenanbau von Hanfpflanzen, droht ihnen unter Umständen ein Ermittlungsverfahren. „Die Politik muss hier schnell Klarheit schaffen“, sagte Mortler. In Deutschland ist der Anbau und Besitz von Hanf illegal.

Im Vorjahr hatte das Verwaltungsgericht Köln drei chronischen Schmerzpatienten erlaubt, als „Notlösung“ in ihren Wohnungen Cannabis anzubauen, da entsprechende Medikamente wegen fehlender Kostenübernahme für sie unerschwinglich seien.

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland - aber auch Basis für Medikamente. Den beiden Hauptwirkstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) wird eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben.