Brexit-Votum Das Volk darf über den Brexit entscheiden - auch jetzt

Meinung – Marion Trimborn | 18.09.2018, 18:16 Uhr

Erst nach und nach dämmert auch den Briten, dass der Brexit dem Land wohl schaden wird. Das war beim Referendum 2016 so nicht abzusehen. Deshalb sollten die Briten über die Folgen des Austritts erneut abstimmen dürfen.

Das Volk hat gesprochen - aber ist damit das Thema Brexit wirklich ein für allemal vorher bestimmt? Man bedenke: Als die Briten 2016 über den Austritt aus der EU entschieden, hatten die Befürworter zuvor eine Austrittskampagne ohnegleichen hingelegt. Brexiteers wie Boris Johnson und Co. stellten Behauptungen auf, die mindestens unseriös waren wenn nicht sogar eine glatte Lüge. Niemand konnte die Folgen damals wirklich absehen, die Wähler sind vielfach getäuscht worden. Dass der Brexit die Insel politisch befreien und wirtschaftlich stärken wird, glaubt inzwischen kaum noch jemand. Aller Voraussicht nach wird der EU-Austritt Großbritannien schwer schaden. Zwar träumen immer noch einige Befürworter vor sich hin und glauben an blühende Landschaften und einen Freihandel mit Europa ohne Gegenleistung - doch die EU wird London nicht erlauben, sich die Rosinen herauszupicken. Zu fatal wäre es, solch ein schlechtes Beispiel durchgehen zu lassen.

Jetzt, wo mehr Fakten auf dem Tisch liegen und klar ist, welche Folgen der Austritt hätte, sollten die britischen Bürger die Möglichkeit bekommen, über die Ergebnisse der Austrittsverhandlungen abzustimmen. Eine wirkliche Demokratie verlangt, dass die Politik dem Volk als Souverän angesichts der neuen Situation diese Frage erneut vorlegt. Welches Recht hat die Regierung, den Briten - die 1975 schon einmal für den Verbleib in der EU gestimmt haben - diese Chance zu verwehren?