Kommentar Boris Johnsons Brexit-Winkelzüge sind zum Fremdschämen

Meinung – Thomas Ludwig | 28.08.2019, 19:04 Uhr

Der britische Premier bremst die Arbeit des Parlaments über eine verlängerte Zwangspause aus. Das setzt dem jahrelangen, an Verrücktheiten nicht eben armen Brexit-Gewürge, die Krone auf.

Rechtlich mag sich Boris Johnson auf solidem Boden bewegen. Das Unterhaus aber ausgerechnet in einer Stunde höchster Not kaltzustellen, mit dem Ziel, den EU-Austritt ohne Vertrag durchzudrücken, ist an Unverfrorenheit nicht zu überbieten.

Die einst so stolze britische Demokratie gleicht nur noch einem Schatten ihrer selbst. Die Queen macht das zynische Spiel mit. Die Bevölkerung nimmt all das zum überwältigenden Teil hin, als führte man sie zur Schlachtbank - keine breite gesellschaftliche Gegenbewegung, kein ernst zu nehmender Protest, nirgends.

Immerhin die Opposition versucht nun Johnson per Misstrauensvotum zu kippen; aber dafür müsste sie Einigkeit zeigen und ein paar Konservative auf ihre Seite ziehen. Vielleicht gibt Johnsons jüngster Winkelzug ja auch dem ein oder anderen Tory zu denken. Die Zeit aber wird knapp.

Die Art, wie der Premier und die Brexiteers einen No-Deal-Austritt verharmlosen, ist zum Fremdschämen. Haben sie eigentlich auch noch jene Briten im Blick, die in der EU bleiben wollen? Nein.

Wie das Zerwürfnis in der Gesellschaft je zu kitten sein soll, steht in den Sternen. Am Ende des Brexits könnte mittelfristig ein nicht mehr Vereinigtes Königreich stehen.