Bekennervideo authentisch Anschlag in Berlin: Sechs neue Ermittlungsergebnisse

Von dpa | 29.12.2016, 13:24 Uhr

Zehn Tage nach dem Berliner Terroranschlag gibt die Bundesanwaltschaft Einblick in den Stand der Ermittlungen — zu Flucht, Tatwaffe, Lkw und Bekennervideo.

Kontaktmann freigelassen

Ein als Kontaktmann des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri verdächtigter Tunesier ist wieder auf freiem Fuß. Die Bundesanwaltschaft habe gegen den 40-Jährigen keinen Haftbefehl erwirkt, teilte eine Sprecherin am Donnerstag in Karlsruhe mit. Ermittler hatten den Mann am Mittwoch in Berlin vorläufig festgenommen. Es bestand der Verdacht, dass Anis Amri ihm zeitnah vor dem Anschlag über einen Messengerdienst eine Sprachnachricht und ein Lichtbild aus dem tatrelevanten LKA geschickt hatte. Dieser Verdacht hat sich nicht bestätigt.

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Bekennervideo echt

Das Video, in dem der mutmaßliche Attentäter von Berlin sich zur Terrormiliz Islamischer Staat bekennt, ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft authentisch. Amri sei den Ermittlungen zufolge darin tatsächlich zu sehen. Karte: Mögliche Fluchtroute Anis Amris nach dem Terroranschlag in Berlin, Hochformat 110 x 140 mm; K. Dengl, Redaktion: J. Schneider

Das IS-Sprachrohr Amak hatte vier Tage nach dem Anschlag, am 23. Dezember, ein Video veröffentlicht. Auf der knapp dreiminütigen Aufnahme schwört Amri dem Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue. Er richtet sich dabei an die „Kreuzzügler“: „Wir kommen zu Euch, um Euch zu schlachten, Ihr Schweine.“ Es werde Rache für das Blut von Muslimen geben, das vergossen wurde. Dabei steht Amri offensichtlich auf einer Brücke. Hinter ihm ist ein Gewässer zu sehen. Die Aufnahme könnte in Deutschland aufgenommen sein.

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Fluchtroute

Nach derzeitigem Erkenntnisstand der Ermittler flüchtete Anis Amri über die Niederlande nach Frankreich und von dort weiter nach Italien. Dafür spricht ein Zugticket von Frankreich nach Italien, das bei Anis Amri aufgefunden wurde. Außerdem wurde bei ihm eine SIM-Karte sichergestellt, die in den Tagen vor Weihnachten in den Niederlanden kostenlos ausgegeben wurde.

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Dieselbe Tatwaffe?

Die ballistischen Untersuchungen zur Tatwaffe sind noch nicht abgeschlossen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die Waffe, mit der Anis Amri am 23. Dezember 2016 auf einen italienischen Polizeibeamten schoss, ist eine Pistole des Fabrikats Erma, Kaliber .22. Der polnische Lkw-Fahrer wurde mit einer Waffe desselben Kalibers getötet. Ob es sich um dieselbe Waffe handelt, müssten die weiteren kriminaltechnischen Untersuchungen ergeben. Ein Abdruck des in Berlin sichergestellten Projektils wurde an die italienischen Behörden übersandt. Jetzt müssen die Ergebnisse abgewartet werden.

Todeszeitpunkt des Lkw-Fahrers

Nach dem vorläufigen Obduktionsbericht ist der polnische Lkw-Fahrer in zeitlicher Nähe zum Anschlagszeitpunkt verstorben. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, habe der Leichnam entgegen zahlreicher Medienberichte keine Stichverletzungen aufgewiesen. Der genaue Todeszeitpunkt wird erst im abschließenden Obduktionsbericht feststehen. Dieser ist laut Bundesanwaltschaft von der Rechtsmedizin für Januar 2017 angekündigt.

Automatisches Bremssystem

„Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand ist davon auszugehen, dass der LKW aufgrund seines automatischen Bremssystems zum Stehen kam und deshalb noch schwerwiegendere Folgen ausgeblieben sind“, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit.