BDK-Chef kritisiert Ermittlungen RAF-Fahndung: Kriminalbeamte greifen Pistorius an

Von Melanie Heike Schmidt | 29.06.2016, 07:00 Uhr

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) geht von einem sicheren Fahndungserfolg in Sachen RAF-Räuber aus. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) widerspricht. Der Vorsitzende wirft den Behörden in Niedersachsen Versagen vor.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion warnte der BDK-Vorsitzende André Schulz vor einem gefährlichen Behördenversagen bei der Fahndung nach den untergetauchten Ex-RAF-Terroristen. „Wenn sich die Dienststellen in Niedersachsen gegenseitig behindern und wichtige Informationen verloren gehen, muss man sich nicht wundern, dass die Fahndung zu keinem Erfolg führt“, führt er aus.

Schulz widersprach damit Pistorius, der von einem sicheren Fahndungserfolg ausgegangen war. „Nach meiner Einschätzung ist es eine Frage der Zeit, bis sie gefasst werden, denn jetzt zieht sich das Netz wirklich enger zusammen“, hatte Pistorius unserer Redaktion kürzlich gesagt. Schulz erwiderte: „Dieses Netz hat zu viele Löcher.“ Der BDK-Chef forderte nun eine konzertierte Aktion: „Was wir brauchen, ist eine übergeordnete Dienststelle in Niedersachsen, die den Fall übernimmt.“ Auch den Generalbundesanwalt brachte Schulz ins Spiel. „So wie bisher können wir jedenfalls nicht weitermachen“, sagte er.

„Es könnte Tote geben“

Angesichts der Brutalität der Täter drängte der BDK-Chef zur Eile: „Vermutlich werden die Täter jetzt eine Weile abtauchen, denn nun verfügen sie wieder über Geld. Aber was, wenn das weg ist? Das nächste Mal könnte es auch Tote geben.“ Wer hier zögere, so Schulz, nehme die Gefahr, die von den Tätern ausgehe, nicht ernst genug. „Das sind keine Laien“, warnte er.

Die untergetauchten Burkhard Garweg, Daniela Klette und Ernst-Volker werden der dritten Generation der RAF-Terroristen zugerechnet. Dem Trio werden mehrere brutale Überfälle auf Supermärkte und Geldtransporter vor allem in Niedersachsen zugeschrieben, zuletzt ein Überfall vor wenigen Tagen in einem Gewerbegebiet in Cremlingen bei Braunschweig.

Zeuge will Täter erkannt haben

Bisher konnten die Täter nicht gefasst werden. In Cremelingen war die Polizei ihnen nach jüngsten Angaben dicht auf der Spur: Ein Zeuge will einen der verdächtigen Ex-RAF-Terroristen bereits vor den Überfall auf einen Geldtransporter in dem Ort gesehen haben. Die Polizei hat daraufhin verdeckt ermittelt. „Das hat aber nicht zu einer konkreten Spur geführt“, sagte Lutz Gaebel von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Verden. Nun konzentrieren sich die Hoffnungen auf Spuren aus den Tatfahrzeugen.