Auszeichnung für Ex-UN-Chef Netzwerker des Friedens: Kofi Annan erhält hohen Preis

06.11.2013, 19:45 Uhr

gke/hns Osnabrück. Er zählt bis heute zu den einflussreichsten Diplomaten überhaupt: Kofi Annan war UN-Generalsekretär, erhielt 2001 gemeinsam mit der Organisation den Friedensnobelpreis und vermittelte zuletzt als Sondergesandter im Syrienkonflikt. Am Donnerstag erhält der gebürtige Afrikaner in Gütersloh den mit 200000 Euro dotierten Reinhard-Mohn-Preis.

Annan sei ein weltweiter Vorkämpfer und Fürsprecher für nachhaltige und generationengerechte Fortschrittsmodelle, erlkärte die Bertelsmann-Stiftung zur Begründung. Was etwas blumig klingt, meint in Wahrheit etwas sehr Konkretes: Annan hat sich stets für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt.

Geboren 1938 in Ghana, verbrachte er fast sein ganzes Berufsleben bei den Vereinten Nationen. Nach einem Studium der Verwaltungswissenschaften in Genf und den USA stieg er rasch innerhalb der Organisation auf. 1993 erhielt er die Position des Untergeneralsekretärs in der bedeutenden Abteilung für Friedenserhaltende Maßnahmen.

Dort sammelte er wichtige Erfahrungen über Krieg und Frieden, von denen er wesentlich profitierte, nachdem er 1997 zum UN-Chef aufgestiegen war. Annan gilt als kühler Analytiker, der über ein breites Netzwerk in der Weltpolitik verfügt, das er bis heute diskret pflegt. Oft wird er in einem Satz mit Politkern wie dem ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela oder dem Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter genannt.

Ein Hauptaugenmerk seiner Arbeit galt stets Afrika. Während seiner frühen Berufsjahre arbeitete Annan für die Economic Commission for Africa in Addis Abeba; 1998 war er daran beteiligt, den Übergang zu einer Zivilregierung in Nigeria zu ermöglichen. Weitere Leistungen Annans: Er spielte eine zentrale Rolle bei der Einrichtung eines internationalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Auch um den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag hat er sich sehr verdient gemacht. Nach seiner Wiederwahl war er bis 2006 UN-Chef. Annan ist bis heute der erste und einzige Schwarzafrikaner in dem Amt. Sein Nachfolger ist der Südkoreaner Ban Ki Moon.

Annans Karriere kennt allerdings auch Tiefpunkte. Seine jüngste Vermittlungsmission im Syrienkonflikt scheiterte. Frustriert warf er den Posten hin, nachdem er keine Erfolge erzielen konnte. Kritiker werfen Annan außerdem vor, er trage als Ex-Untergeneralsekretär für Friedenssicherung eine Mitverantwortung am Völkermord in Ruanda 1994 mit etwa 800000 Toten.

Solchen Vorwürfen begegnet Annan stets beherrscht und mit Argumenten. Er gilt als ausgeglichener Charakter, der auch unter Druck Ruhe bewahrt.

Annan ist mit einer Schwedin verheiratet. Die beiden haben drei gemeinsame Kinder.