Ausstellung zum Aufstand von 1944 Gauck rühmt Warschauer Widerstandskämpfer

29.07.2014, 15:35 Uhr

dpa/KNA Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck hat bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Warschauer Aufstand vor 70 Jahren die enge Freundschaft zum Nachbarland Polen gewürdigt. Angesichts der Vergangenheit „grenzt es für mich an ein Wunder, dass Polen und Deutsche heute nicht nur Nachbarn sind, die sich vertragen, sondern Freunde, die sich mögen“, sagte Gauck am Dienstag in Berlin.

Die Polen hätten verziehen, dass das Nazi-Regime auf den Aufstand mit Terror und Gewalt geantwortet hat. „Polen vermochten zu vergeben, als Deutsche Reue zeigten.“

Die Ausstellung „Der Warschauer Aufstand 1944“ in der Gedenkstätte Topographie des Terrors ist bis zum 26. Oktober zu sehen. Sie zeigt die Geschichte des Aufstandes aus polnischer Perspektive. Am 1. August 1944 hatte die Polnische Heimatarmee in Warschau mit dem Aufstand gegen die Besatzer aus Nazi-Deutschland begonnen. Es war die größte bewaffnete Aktion der Widerstandsbewegung im besetzten Polen – mit 63 Tagen Kampf und mehr als 170000 Toten. Fast die ganze Stadt wurde zerstört.

Gauck eröffnete die Ausstellung gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski, der gleichzeitig ein Angehöriger des Oberbefehlshabers des Aufstandes ist. Die beiden Staatsoberhäupter sprachen zunächst mit Veteranen und schauten sich mit ihnen den Ausstellungsfilm „Die Stadt der Ruinen“ an.

Nach Ansicht von Gauck waren die Verantwortlichen des Aufstands auch Vorbilder für die Opposition in Polen während der kommunistischen Herrschaft. Der Aufstand sei zu einem wichtiger Bezugspunkt für sie geworden, sagte Gauck am Dienstag in Berlin. Auch die Gewerkschaft Solidarnosc sei davon inspiriert gewesen. „Und schließlich spürten auch wir Ostdeutschen etwas von der Kraft der polnischen Tradition“, so der Bundespräsident weiter.

Weiter meinte Gauck, die Tradition habe Mut gegeben, „als wir noch mutlos waren, sie gab uns Hoffnung, als wir noch hoffnungslos waren“. Und: „Das polnische Beispiel dürfte uns schließlich geholfen haben, im Herbst 1989 ein Risiko einzugehen, obwohl der friedliche und befreiende Ausgang unserer Bewegung, die schließlich zu einer Revolution wurde, nicht vorherzusehen war“.

Gauck verwies auf das besondere Schicksal Polens während des Zweiten Weltkriegs. Kein anderes Land sei so systematisch durch Verschleppung und Mord entvölkert worden, um als „Lebensraum“ dem deutschen Volk zu dienen, abgesehen von einem Teil der Tschechoslowakei sei kein anderes Land länger von der Wehrmacht besetzt gewesen als Polen.

Zudem sei die polnische Staatlichkeit abgeschafft, das Land wirtschaftlich ausgeplündert worden, so Gauck weiter. Auch habe das NS-Regime auf polnischen Boden die meisten jener Konzentrationslager errichtet, in denen Millionen europäischer Juden ermordet worden seien.

Die Schau des polnischen „Museums des Warschauer Aufstands“ zeigt auf 68 Tafeln und mehreren multimediale Infoboxen die Geschichte der prosperierenden Metropole Warschau nach 1918. Der Fokus der Sonderausstellung liegt auf dem Aufstand 1944.