Aussage zum Islam in Deutschland Interview mit Volker Kauder: Empörung bei Grünen und Linken

05.05.2016, 18:53 Uhr

Muslime gehörten zwar zu Deutschland, der Islam habe das Land aber nicht geprägt. Das sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder im Gespräch mit unserer Redaktion. Politiker von Linken und Grünen kritisieren diese Einschätzung.

Bei Grünen und Linken löste Kauder mit seinen Worten Empörung aus. Grünen-Chef Cem Özdemir warf Kauder vor, seine Sicht auf die Muslime in Deutschland sei „bemüht konservativ und altbacken“. Wenn er etwas gegen Islamismus tun wolle, solle er dafür sorgen, dass die Wahhabiten in Saudi-Arabien nicht länger mit Waffen beliefert werden. „Wir sollten den Islam bei uns einbürgern“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Gerade dadurch könne Radikalisierung vorgebeugt werden. „Vielen Menschen, die zu uns kommen, ist ihre Religion sehr wichtig.“ Sie dürften nicht irgendwelchen Hasspredigern oder Salafisten überlassen bleiben, die einen radikalen Islam propagieren.

„Chauvinistische Antidemokraten“

Kauders „Pöbeleien gegen Muslime offenbaren eine Hilflosigkeit der Union im Umgang mit der AfD“, erklärte Linken-Fraktionsvize Jan Korte. „Chauvinistische Antidemokraten und Menschenfeinde bekämpft man nicht durch Übernahme ihrer Positionen.“ Vielmehr müssten Demokratie, Rechtsstaat, Menschenwürde und Gleichberechtigung wieder auf die alltägliche politische Agenda.

„Religionen sind keine Subjekte“

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, stellte Kauders Unterscheidung infrage. Religionen seien keine Subjekte, schrieb Beck auf Twitter: „Glauben tritt immer nur in Gestalt und Interpretation durch konkrete Gläubige auf die Bühne.“

Auch wenn Juden und Christen Geschichte und Kultur in Deutschland und Europa geprägt hätten, dürfe dies nicht zu einem „Ausgrenzungsdiskurs gegenüber dem Islam“ führen. „Es gibt keine Muslime ohne oder getrennt vom Islam.“ (mit dpa)