Anschläge Europol warnt vor hunderten potenziellen Terroristen in Europa

Von Marion Trimborn | 26.07.2016, 07:05 Uhr

Wieviele Terroristen sind schon in Europa? Diese Frage stellt sich nach den Anschlägen von Würzburg und Ansbach, die von Flüchtlingen begangen wurden. Die europäische Polizeibehörde Europol schätzt die Zahl der potenziellen Terroristen in der EU auf mehrere hundert.

Nach Einschätzung der europäischen Polizeibehörde Europol halten sich in Europa derzeit hunderte potenzielle Terroristen auf. Dabei handele es sich um radikalisierte Personen aus der EU, die nach Syrien oder in den Irak gereist seien, um dort für die Terrormiliz IS zu kämpfen, und die nun wieder zurückgekehrt seien. Das teilte Europol auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Europol beziffert die Zahl der „foreign fighters“ (ausländische Kämpfer), also der Ausgereisten, auf inzwischen insgesamt rund 5000. Davon seien etwa ein Drittel, rund 1500 bis 1800, in die EU zurückgekehrt. „Viele davon haben weder die Absicht noch die Fähigkeit, terroristische Anschläge zu verüben“, schrieb Europol. „Dennoch bleiben hunderte potenzielle Terroristen übrig, die eine Gefahr für die Sicherheit in Europa darstellen.“ Die nationalen Behörden würden gegen diese Verdächtigen intensiv ermitteln, Europol unterstütze die Behörden dabei. 

IS nutzt Flüchtlingsbewegung nicht systematisch

Nach Ansicht von Europol nutzt die Terrororganisation IS die Flüchtlingsbewegung nicht systematisch, um unbemerkt Terroristen in die EU einzuschleusen. „Darauf gibt es keine konkreten Hinweis“, sagte ein Europol-Sprecher. „Mitglieder terroristischer Gruppen oder zurückkehrende ausländische Kämpfer mit EU-Pass reisen in der Regel mit echten oder gefälschten Pässen in die EU ein – und verlassen sich nicht auf Schlepperbanden für Flüchtlinge.“

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) steigt allerdings die Zahl der Flüchtlinge, die unter Terrorverdacht stehen. Das BKA warnte auf Anfrage unserer Redaktion: „Angesichts der anhaltenden Zuwanderungsbewegung nach Deutschland müssen wir davon ausgehen, dass sich unter den Flüchtlingen auch aktive und ehemalige Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten terroristischer Organisationen oder islamistisch motivierte Kriegsverbrecher befinden können.“ Die Attentate von Paris hätten gezeigt, dass der Islamische Staat IS die Flüchtlingsbewegung nutze, um Attentäter nach Europa zu schleusen.

Bundesregierung warnt vor Generalverdacht

Nach den jüngsten Anschlägen in Deutschland hat die Bundesregierung davor gewarnt, Flüchtlinge generell unter Terrorverdacht zu stellen. „Die meisten Terroristen, die in den letzten Monaten in Europa Anschläge begangen haben, waren keine Flüchtlinge“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. „Diese Erkenntnis deckt sich mit aktuellen Untersuchungen, nach denen die Gefahr des Terrorismus nicht größer und nicht kleiner ist als in der übrigen Bevölkerung.“

 Die Bombenexplosion im fränkischen Ansbach soll nach ersten Erkenntnissen von einem syrischen Flüchtling verursacht worden sein. Die Ermittler prüfen die Motive für den Selbstmordanschlag mit zwölf Verletzten. Der mutmaßliche Täter sollte nach Angaben des Bundesinnenministeriums nach Bulgarien abgeschoben werden.

Seit vergangenem Jahr sind mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, seit Januar ist Zahl aber stark rückläufig.