Annäherung im Asylstreit? Der Irrtum der Weiß-Blauen

Meinung – Beate Tenfelde | 29.06.2018, 17:40 Uhr

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat nach den Beschlüssen des EU-Gipfels zur Asylpolitik erklärt: „Eine Reihe an Punkten - wie der bessere Schutz der Außengrenzen, Flüchtlingszentren in Drittländern und mehr Engagement bei der Fluchtursachenbekämpfung - sind Maßnahmen, die wir als CSU seit langem mit Nachdruck einfordern.“ Dobrindt sagte:. „Fakt ist: Es ist ein Ergebnis der Debatte in Deutschland, dass sich auf EU-Ebene endlich stärker mit der Migrationsthematik auseinandergesetzt wird.“ Ein Kommentar.

Was für ein Coup! Die Söders und Dobrindts in der CSU werden sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Die Christsozialen hätten der EU Beine gemacht. Bald herrsche wieder Ordnung, denn dem „Asyltourismus“ – so der O-Ton des bayrischen Ministerpräsidenten Söder – sei ein Riegel vorgeschoben worden. So oder ähnlich werden die Weiß-Blauen demnächst in den Bierzelten dröhnen, wenn sie vom jüngsten EU-Gipfel berichten.

Welch ein fataler Irrtum. Nichts ist gut, zu viel hat die CSU mit ihrem breitbeinigen Bierzeltgehabe kaputtgemacht. Die jungen Eiferer haben Altenteiler Seehofer derart getrieben, dass der in seinem „Austragshäusl“, dem Bundesinnenministerium, nur noch wie ein Erfüllungsgehilfe wirkt. Die weiß-blaue Reputation bekam auch deshalb tiefe Kratzer, weil Vernunft dumpfer Instinktpolitik gewichen ist – zum Schaden für das ganze Land.

Dass sich die CSU respektlos im Ton vergriff auch gegen die Kanzlerin, reicht selbst treuen Sympathisanten. Als Folge der rüden Ausfälle aus München darf Angela Merkel jetzt erleben, dass sich die eigenen Leute wieder um sie scharen und sie stützen. Sie hat gekämpft, um europäische Lösungen zu ermöglichen. Hut ab! Starke Leistung. Ob es ihr auf Dauer hilft, die CSU zu domestizieren, ist allerdings fraglich. Je näher der Termin der Bayernwahl rückt, desto irrationaler agieren die Weiß-Blauen.