Anhänger der Monarchie blicken neidisch nach Großbritannien Deutsche Royalisten fordern einen Kaiser

Von Michael Clasen | 23.04.2011, 05:00 Uhr

Soll der Demokratie in Deutschland die Krone aufgesetzt werden? „Holland hat die Beatrix, doch wir Deutschen haben nix. Wir aber haben’s wirklich satt, dass Deutschland keinen Kaiser hat“, singt die populäre Band „Die Prinzen“. Und weiter: „Selbst die Japaner sind da schlauer, wir haben nur den Beckenbauer.“

Ob die Popkünstler das ernst meinen, sei dahingestellt, aber es gibt sie wirklich: bekennende Royalisten in Deutschland. Dabei endete hierzulande die Monarchie 1918 nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Damals musste Wilhelms II. abdanken und ins niederländische Exil flüchten.

In der Geburtsstunde der Weimarer Republik liegt der Untergang der Monarchie in Deutschland. Wie fast in der gesamten Welt war diese Form der Alleinherrschaft über Jahrhunderte die gängige Staatsform. Schon Griechen und Römer kannten Könige und Kaiser. Berühmte Philosophen wie Platon und Aristoteles zogen im Zweifel die Monarchie der Demokratie als Staatsform vor.

Der Siegeszug der Idee, dass die Herrschaft vom Volk ausgeht und nicht von einem König, ist ein Phänomen der Moderne, getrieben von Aufklärung und Emanzipation des Bürgertums. Die Französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts stellte einen historischen Einschnitt dar, der auch in den deutschen Gebieten die Vorstellung von einer gottgewollten königlichen Herrschaft zunehmend infrage stellte.

Heute würden sich in Deutschland noch rund zehn Prozent der Bürger eine parlamentarische Monarchie wie in Spanien, den Niederlanden oder Schweden wünschen. Etliche blicken daher neidisch nach Großbritannien, wo sich Prinz William und Kate in wenigen Tagen das Ja-Wort geben.

Politisch spielen die Kaiser-Verfechter derweil kaum eine Rolle. Die Gruppierungen nennen sich „Kaisertreue Jugend“, „Bund aufrechter Monarchisten“, „Deutsche Monarchistische Gesellschaft“ oder „Tradition und Leben e.V. – Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des monarchischen Gedankens.“ Letztere Gruppe hat etwa 200 Mitglieder, wie Geschäftsführer Johann Wilhelm Löffelsend erklärt. Sie setzt sich dafür ein, dass der Bundespräsident durch einen Kaiser ersetzt wird. „Ein Parteipolitiker bleibt immer ein Parteipolitiker“, begründet Löffelsend seine Abneigung gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten.

Was deutsche Monarchisten Verklärendes mit der Krone verbinden, macht die „Kaisertreue Jugend“ auf ihrer Homepage deutlich. „Seine Kaiserliche Hoheit ist in seiner (sic!) Tugendhaftigkeit ein Vorbild für junge Menschen und beispielhaft für eine Gesellschaft der Pflichterfüllung, Toleranz und Nächstenliebe.“ Gemeint ist Georg Friedrich Prinz von Preußen, Oberhaupt des Hauses Hohenzoller und Ururenkel des letzten Deutschen Kaisers. Unter den Monarchisten gilt er als preußischer und deutscher Thronprätendent, was den 34-jährigen Adelsspross nicht sonderlich zu amüsieren scheint. Er äußert sich ungern zu diesem Thema, aber aus seinem Umfeld verlautet, dass der Prinz von Preußen mit beiden Füßen fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehe und (mit leicht ironischem Unterton) keinen Sturz des Bundespräsidenten plane.

Dass der auserkorene Aspirant wenig mit den selbst ernannten Kaisertreuen anfangen möchte, ist Löffelsend nicht entgangen. Wenn Georg Friedrich Prinz von Preußen nicht wolle, gebe es Alternativen. „Wir kleben nicht am Haus Hohenzollern“, sagt der Kaiser-Freund. Als Alternative stehe ein Herzog aus Württemberg zur Verfügung, der bereit wäre, die Verantwortung zu übernehmen.

Dass in Deutschland eines Tages eine parlamentarische Monarchie eingeführt wird, hält Löffelsend nicht für ausgeschlossen. „An die deutsche Wiedervereinigung hat doch lange Zeit auch kaum jemand geglaubt“, argumentiert er.

Und auf adlige Traumhochzeiten müssen die deutschen Royalisten auch nicht verzichten. Denn nicht nur William und Kate treten vor den Altar. Auch Georg Friedrich Prinz von Preußen wird im August seine Lebensgefährtin heiraten.