Angriffe in der Kritik USA: Russland beschießt in Syrien zivile Ziele

30.12.2015, 11:47 Uhr

dpa/kück/Reuters Washington/London. Die USA haben den russischen Streitkräften vorgeworfen, Luftangriffe auf zivile Ziele in Syrien zu fliegen. Auch Menschenrechtler hatten Moskau deswegen vor Kurzem scharf kritisiert.

Der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, sprach von „Hunderten getöteten Zivilisten“ durch russische Luftangriffe in Syrien. Es habe unter anderem Angriffe auf medizinische Einrichtungen gegeben. (Weiterlesen: US-Kritik an russischen Angriffen: Schaler Beigeschmack )

Außenminister John Kerry habe sich in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow besorgt darüber geäußert, hieß es weiter. Russland und eine US-geführte Koalition fliegen getrennt voneinander Luftangriffe auf Ziele in Syrien.

Kritik von Amnesty

Erst vor wenigen Tagen hatten die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den Russen vorgeworfen, Streumunition sowie Bomben ohne Lenksysteme in dicht besiedelten Gebieten einzusetzen. Bei Angriffen der russischen Luftwaffe seien bereits Hunderte Zivilisten getötet und Wohngebiete, Kliniken, eine Moschee und ein Markt zerstört worden, hieß es. (Weiterlesen: Welche Ziele verfolgt Russland in Syrien? )

„Kriegsverbrechen“

Amnesty sprach von Kriegsverbrechen und einem Verstoß gegen die Menschenrechte. Moskau wies die Anschuldigungen zurück. Für sie gebe es keine Beweise. (Weiterlesen: Wer kämpft in Syrien gegen wen? )

Seit September fliegt Russland Angriffe in Syrien. Offiziell richtet sich der Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Washington wirft Moskau jedoch vor, auch gemäßigte Kräfte ins Visier zu nehmen. Russland ist ein Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Friedensgespräche in Genf

Mitte Januar sollen in Genf unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen Friedensgespräche zwischen Vertretern des Assad-Regimes und der Opposition beginnen, um den fast fünf Jahre dauernden Krieg zu beenden. Ziel ist, innerhalb von sechs Monaten eine Übergangsregierung zu bilden, in der sowohl Vertreter des jetzigen Regimes als auch der Opposition vertreten sind. Das Schicksal Assads ist jedoch ausgeklammert.

Armee rückt vor

Unterdessen rückte die syrische Armee nach eigenen Angaben in eine Hochburg der Rebellen im Süden des Bürgerkriegslandes ein. Soldaten hätten am Mittwoch in Scheich Maskin Stellung auf einem Platz in der Innenstadt bezogen und Viertel im Osten und Norden eingenommen, teilten die Streitkräfte mit.

Aus dem Umfeld der Rebellen verlautete, Truppen von Präsident Baschar al-Assad seien in Außenbezirke vorgedrungen. Es tobten aber weiter heftige Kämpfe. Unterstützt wurden die Soldaten nach Angaben von Rebellen von der russischen Luftwaffe. Dank der Bombardements sei die Armee auf dem Vormarsch.

IS-Kämpfer in Ramadi

„Die Angriffe hören nicht auf, allein in den letzten 24 Stunden waren es mehr als 40“, sagte ein Rebellenkommandeur. Scheich Maskin liegt an einer Versorgungsroute, die die Hauptstadt Damaskus mit Deraa im Süden verbindet.

Im Irak halten sich Schätzungen der USA zufolge auch nach Rückeroberung der Stadt Ramadi durch das irakische Militär noch Hunderte IS-Kämpfer im Stadtgebiet auf. Außerdem hätten die Extremisten zahlreiche Sprengfallen gelegt, sagte ein Sprecher der von den USA angeführten Anti-IS-Allianz am Mittwoch. Das verzögere die Rückkehr Zehntausender Zivilisten, die vor dem IS nach Bagdad und in andere Landesteile geflohen seien.