Kein Wort über Seehofer Angela Merkel trifft Markus Söder: Wahlkampfhilfe für die CSU

Von Ralf Geisenhanslüke | 23.09.2018, 17:40 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder mit einem ersten gemeinsamen Auftritt in München im Wahlkampf unterstützt. Der direkte Vergleich machte deutlich, warum die CSU die Hilfe der Schwesterpartei nötig hat.

Zwischen gefühlt mit Verantwortung getragener Pflicht und lockerer Kür liegen an diesem Abend knappe 50 Meter in einem Münchener Spitzenhotel. Hier diktiert die Bundeskanzlerin der Presse den aktuellen Stand in der unsäglichen Causa Maaßen in die Blöcke sowie in die Kameras. Sie verlässt den engen Konferenz-Raum in so energischen Schritten, dass sich niemand trauen würde, auch nur eine Nachfrage zu stellen.

Dort im Bankettsaal und nach einigen Fotos mit der Gastgeberin Susanne Porsche sowie ihren Söhnen Felix und Ferdinand fühlt sich Angela Merkel offensichtlich wohl und befreit von mancher Amtspflicht. Kritische Fragen zur aktuellen politischen Lage in der Welt bis zu ur-bayerischen Problemen bleiben ihr auch hier nicht erspart. Vor etwa 180 geladenen Gästen aus Münchener Wirtschaft und Gesellschaft macht sie in den folgenden zwei Stunden zwei Dinge: Als Bundeskanzlerin erklärt sie das Warum und Wieso hinter politischen Entscheidungen in einer souveränen Art und Weise, die sich viele von ihr auf dem politischen Parkett wünschen würden. Als Parteivorsitzende unterstützt sie auf der Talkbühne den CSU-Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Markus Söder im bayerischen Landtagswahlkampf.

Die Retten-was-noch-zu-retten-ist-Wochen

Die CSU in Bayern ist mittlerweile auf jede Hilfe angewiesen. Drei Wochen vor der Landtagswahl sind die Umfragewerte auf lange nicht vorstellbare 35 Prozent gefallen, an die Verteidigung der absoluten Mehrheit glaubt bei den Christsozialen ohnehin keiner mehr. Es gilt für die Seehofer-Partei eher, die AfD zwischen Freising und Würzburg nicht noch stärker werden zu lassen, als sie es mit ihren derzeit vorhergesagten 18 Prozent ohnehin ist. In den nun kommenden Retten-was-noch-zu-retten-ist-Wochen nimmt Söder die Unterstützung der Mutterpartei in Anspruch, vielleicht auch nicht ganz freiwillig. Die vermittelnde Brücke zur Bühne hat an diesem Abend die Filmproduzentin und Unternehmerin Susanne Porsche gebaut mit ihrer freundschaftlichen Beziehung zur Kanzlerin.

Es ist der erste gemeinsame Auftritt von Angela Merkel und Markus Söder im Wahlkampf. Dazu kommt an diesem Wochenende zum Beispiel die Unterstützung des Gesundheitsministers Jens Spahn in bayerischen Bierzelten und Wahlkampfveranstaltungen. Beim direkten Vergleich Merkel zu Söder scheint die Hilfe der Schwesterpartei auch bitter notwendig. Wo der Ministerpräsident von bayerischen Tugenden und Traditionen wie das Anzapfen, über die Abberufung Maaßens als Personalie einer nachrangig gelagerten Behörde spricht und die vorhergesagten 35 Prozent als im internationalen Vergleich „sehr gut“ schönredet, wird die Kanzlerin konkret. Natürlich müsse man den türkischen Staatspräsidenten Erdogan zu einem Staatsbesuch empfangen, denn wie solle man denn sonst mit ihm über die europäischen Probleme mit den Flüchtlingen aus Syrien, Iran oder Irak reden. Und selbstverständlich würden in diesen Vier-Augen-Gesprächen auch die nicht hinnehmbaren Dinge wie Menschenrechtsverletzungen mit Nachdruck angesprochen. Und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi schreibe sie ebenso das Inakzeptable ins Stammbuch.

Den an diesem Abend neben ihr sitzenden Markus Söder beschreibt sie als zuverlässigen Typen. Dabei erwecken beide den Eindruck, als passe kein Blatt Papier zwischen sie und das Verhältnis wäre von jahrelanger Harmonie geprägt. Als hätte es nie die schweren Vorwürfe aus München in der Asylfrage gegeben oder Alleingänge von Seehofer und seiner Partei.

Seehofer findet keine Erwähnung

Der Innenminister und CSU-Parteivorsitzende Seehofer nimmt an diesem Abend übrigens mit keiner Erwähnung teil. Es scheint so, als wolle sich Söder im Wahlkampfendspurt mit dem miserablen Auftreten Seehofers in den letzten Monaten nicht noch mehr schwächen. Der unsichere Kandidat gibt sich geläutert und keineswegs in der ihm manchmal selbstherrlichen Art. Selbst die massiven Vorwürfe einer Frau aus dem Publikum, er kümmere sich zu wenig um Frauen in Führungspositionen nimmt er mit dem Angebot zu einem persönlichen „Versöhnungsgespräch“ auf.

Scheinbar mit sich und dem Abend zufrieden entschwindet Angela Merkel aus dem bisweilen mächtigen Bayern. Ob sie denn auch auf das Münchener Oktoberfest komme, möchte ein Gast wissen. „Ich habe keine Einladung bekommen“, spielt sie schlagfertig den Ball mit einem Block zu Söder zurück und verlässt den Saal nach unzähligen Selfies mit den vielen jungen Gästen gelassenen Schrittes.