Verkehrsminister im Interview Andreas Scheuer: Tesla soll seine Supercharger für alle E-Autos öffnen!

Von Tobias Schmidt | 16.06.2021, 13:00 Uhr

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist ein echter E-Auto-Fan. Aber auch er hat leidvolle Erfahrungen gemacht. Wie der CSU-Politiker das Reisen im Stromer einfacher machen will, verrät er im Interview:

Herr Scheuer, wie sind Ihre eigenen Erfahrungen mit der E-Mobilität auf längeren Strecken?

Ich bin bereits im Winter von Passau nach Berlin im E-Auto gefahren. 611 Kilometer. Zwei Ladestopps waren nötig. Gut die Hälfte dieser Strecke entspricht der Reichweite des derzeitigen Fahrzeugangebots und man hätte die Strecke vermutlich auch mit einem längeren Ladestopp geschafft. Klar ist, E-Mobility braucht derzeit noch etwas Planung, bevor die längere Reise losgeht.

Haben Sie lange nach Schnellladern gesucht?

Nein. Der Wagen war schnellladefähig. Nach 20 Minuten war der Akku wieder gut gefüllt, und das im Winter. Hat alles gut geklappt.

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Würden Sie sich dann trauen, mit dem Stromer in den Urlaub zu fahren?

(Kurze Denkpause) Ja, aber klar: Es braucht Vorbereitung und Organisation, man muss sein Fahrverhalten anpassen. Aber auch Ihr Test-ID3 hat doch laut ADAC eine Reichweite von 330 Kilometern. Von Berlin bis Schwerin sind es 230 Kilometer, das hätte doch reichen müssen.

Sagen Sie uns Ihre Meinung:

Das Fahrzeug-Navi hat mich noch vor Schwerin zu einer langsamen Ladestation geschickt, trotz Restreichweite von mehr als 60 Kilometern. Kennen Sie das Problem?

Leider ja, auch ich habe solche Erfahrungen gemacht, da bin ich mit meinem Fahrer in einem Audi an einer langsamen Ladesäule bei Leipzig gestrandet. Das zeigt: Das Gesamtsystem Elektromobilität, bestehend aus Fahrzeug, Ladeinfrastruktur / Netz und Nutzer, muss noch besser werden.

Es braucht eine hohe Intelligenz im Fahrzeug und die Verknüpfung mit Echtzeitdaten sowie die anbieterübergreifende Datenverknüpfung, damit die für den Wagen und die Strecke optimale Ladesäule angesteuert wird. Es kann ja nicht sein, dass man unterwegs selbst am Smartphone seinen Charger suchen muss.

Standen Sie auch schon mal vor einer Ladesäule, bei der Sie weder mit Kreditkarte, QR-Code oder App das Laden starten konnten?

Auch das Problem ist uns bekannt, ich bin mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier im engen Dialog, um gemeinsam mit der Wirtschaft für einheitliche Standards und ein einheitliches Bezahlsystem zu sorgen. An allen Ladesäulen von allen Anbietern muss man mit einem Zahlmittel bezahlen können – wie an Sprit-Tankstellen auch. Da ist es auch egal, ob sie von Shell, Aral oder wem auch immer betrieben wird. Jedes Mal eine andere App runterladen, alle Bankdaten eingeben, das kann es nicht sein. Wir versuchen auch hier, schnellstens und grenzüberschreitend für Abhilfe zu sorgen.

Was ist mit den Schnellladern von Tesla?

Ich bin mit Herstellern wie Tesla im direkten Gespräch, um zu erreichen, dass die Bestandsinfrastruktur, zum Beispiel Tesla Supercharger, auch für andere Hersteller geöffnet wird.

Es gibt ein paar technische Fragen zu klären, aber ich erwarte, dass wir zu einer Lösung kommen. Ziel ist die barrierefreie Nutzung der Ladesäulen aller Anbieter für alle E-Autos, und das mit einheitlichem Bezahlsystem, am besten per Smartphone. Dann können Sie sich während des Ladevorgangs ganz entspannt eine echte oder vegane Currywurst holen, und schon geht es weiter.

Ist es Ihnen gelungen, den Preis fürs Stromtanken zu ermitteln?

Gute Frage! Auch da liegt noch einiges im Argen. Es gibt längst Spritpreis-Apps, aber ein transparentes Bezahlsystem für Ladestationen fehlt. Hier sind auch die Anbieter in der Pflicht, für Klarheit zu sorgen – schon allein, um Preisvergleiche mit einem Benziner oder Diesel zu ermöglichen. Auch hier sind wir in Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium, damit es vorangeht. Es liegt noch eine Strecke vor uns, damit nicht jede Elektroautoreise zum Abenteuer wird, sondern zur neuen Normalität. Das ist das Ziel. Und dem nähern wir uns mit großen Schritten.