AfD-Führungsstreit Forsa-Chef: Petry schlechtere Chancen – weil sie eine Frau ist

Von Melanie Heike Schmidt | 03.07.2015, 16:22 Uhr

Aus Sicht des Forsa-Geschäftsführers Manfred Güllner hat AfD-Gründer Bernd Lucke größere Chancen, sich auf dem Parteitag an diesem Samstag und Sonntag in Essen gegen seine Konkurrentin um den Bundesvorsitz, Frauke Petry, durchzusetzen – und zwar auch, weil sie eine Frau ist. Das sagte Güllner in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

In dem Gespräch sagte Güllner: „Die Anhänger der AfD sind eher dem rechten Rand zuzuordnen, weswegen dort traditionelle Männerbünde vorherrschen. Daher liegt es nahe, auch als Führungsperson eher auf einen Mann zu setzen.“ Petry sei jedoch eloquent und durchsetzungsfähig, weswegen sie dennoch geduldet werde. „Aber dem Professor Lucke traut man in der AfD mehr zu“, so Güllner.

Forsa: 46 Prozent für Lucke

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ unter AfD-Mitgliedern kurz vor dem Parteitag stützte diese Einschätzung. Demnach sprachen sich 46 Prozent der Befragten für Lucke als künftigen alleinigen Parteichef aus, für Petry stimmten 23 Prozent. Allerdings sei die AfD „durchaus auch für Überraschungen gut“, schätzte Güllner ein.

„Die AfD zerlegt sich selbst“

Insgesamt attestierte der Meinungsforscher der nationalkonservativen AfD schon jetzt deutliche Zersetzungserscheinungen, die durch den innerparteilichen Führungsstreit befördert würden. „Die AfD zerlegt sich selbst – wie nahezu alle rechtsradikalen Parteien zuvor“, sagte Güllner. Dass die AfD eine rechtsradikale Partei sei, stehe für ihn außer Frage, so der Forsa-Chef. „Ich darf sie auch so nennen, denn die Versuche der AfD, gerichtlich dagegen vorzugehen, sind gescheitert.“

Zersetzungsprozess beschleunigt

Sollte sich Petry wider Erwarten in Essen doch gegen Lucke durchsetzen, beschleunige sich die Spaltung. „Dann treten Lucke und seine Mitstreiter vermutlich aus der Partei aus“, erklärte er. Sollte Lucke Bundesvorsitzender werden, sei der Zersetzungsprozess auch nicht vom Tisch, denn dann gelte es, die vielen Lager und zerstrittenen Flügel zu einen, so der Forsa-Chef.

Euro-Kritik nur ein Feigenblatt

Dass die vor zwei Jahren als Eurokritiker angetretene AfD von der aktuellen Griechenland-Krise und dem Schuldenstreit nicht profitiere, sei nur auf den ersten Blick verwunderlich, erklärte Güllner. „Die Euro-Kritik diente als Tarnung, als Projektionsfläche, auch als Feigenblatt. Tatsächlich aber war die AfD immer eine Partei, die das rechtsradikale Milieu angesprochen hat. Das Thema Griechenland bringt ihr deshalb nichts“, sagte der Forsa-Gründer und -Geschäftsführer.

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