Interview AfD-Chef Chrupalla: Keine gute Einheits-Bilanz

Von Burkhard Ewert | 20.09.2020, 12:00 Uhr

30 Jahre nach der Deutschen Einheit hat der Bundessprecher der AfD, Tino Chrupalla, im NOZ-Interview ein gemischtes Fazit der Wiedervereinigung gezogen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Chrupalla, "viele im Osten haben wie ich die Chance ergriffen, die uns die Freiheit bot." Was ihm möglich gewesen sei, davon habe sein Vater nur träumen können, erklärte er. "Aber es gab auch Enttäuschungen. Biografien zerbrachen. Existenzen wurden zerstört. Fast jede Familie hat so etwas erlebt", mahnte der aus Sachsen stammende AfD-Chef Verständnis für eine getrübte Feierstimmung an.

Weiterlesen: Das Interview im Wortlaut mit weiteren Passagen zu Migration, Linkspartei und rechtem Flügel finden Sie hier.

Chrupalla verwies auf nach wie vor bestehenden wirtschaftlichen und soziale Unterschiede. "Die Einkommen liegen im Schnitt immer noch rund 20 Prozent unter denen im Westen. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner erreicht im Osten gerade mal das Niveau von knapp 73 Prozent des gesamtdeutschen Durchschnitts. Wir sind also noch weit unter dem Wohlstandsniveau des Westens. Und das nach 30 Jahren! Das ist keine gute Einheits-Bilanz."

Als großes Problem bezeichnete es der Bundestagsabgeordnete aus der Lausitz, dass junge Leute weiterhin ihre ostdeutsche Heimat verließen.