Interview mit AfD-Bundessprecher Chrupalla "Mal ehrlich: Die EU-Länder wollen eine andere Migrationspolitik als wir"

Von Burkhard Ewert und Tobias Schmidt | 19.09.2020, 07:04 Uhr

Dass AfD-Chef Tino Chrupalla keine Moria-Migranten will und die Bundesregierung für ihre Corona-Politik kritisiert, war zu erwarten. Was er über Berührungspunkte zur Linkspartei sagt, weniger.

„Jetzt wird so getan, als würden wir die Welt retten, wenn wir 1500 Migranten aufnehmen. Tatsächlich geben wir dem Erpressungsversuch von Brandstiftern nach, die das Leben von Tausenden Frauen und Kindern aufs Spiel gesetzt haben, um nach Deutschland zu kommen“, sagte Chrupalla im Interview mit der NOZ. "So etwas kann und wird Nachahmer hervorrufen, wie wir auf Samos bereits gesehen haben.“

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Statt Flüchtlinge aufzunehmen müsse den Griechen geholfen werden, die katastrophalen Verhältnisse in den Flüchtlingslagern zu verbessern, sagte der AfD-Co-Vorsitzende und fügte hinzu: „Mal ehrlich: Die EU-Länder wollen mehrheitlich eine andere Migrationspolitik als Deutschland. Das wollen Union, SPD, Grüne und Linke nicht akzeptieren. Sprich, da, wo es ihnen nicht in den Kram passt, wollen sie die politischen Mehrheiten in der EU nicht anerkennen und eigene Wege gehen.“

Die Corona-Politik der Bundesregierung kritisierte Chrupalla ebenfalls. „Der Shutdown hat die Wirtschaft schwer geschädigt. Viele Unternehmen kämpfen heute noch mit den Folgen. Tausende Arbeitsplätze werden unnötig verlorengehen“, sagte Chrupalla in dem Interview. "Wir stehen erst am Anfang der Talfahrt, die da eingeläutet wurde.“

Dass Deutschland bislang besser als fast alle anderen Länder durch die Pandemie gekommen sei, stellte Chrupalla in Frage: „Polen, Tschechien, Kroatien oder Ungarn sind jedenfalls nicht schlechter durchgekommen als wir. Ich würde Deutschland also nicht herausheben.“ Interessant sei, dass Belgien sehr restriktiv reagiert habe, Schweden aber nicht, so Chrupalla. „Die Zahlen sind in beiden Ländern gleich."

Durchaus überrascht zeigte sich der Sachse von regelmäßig auftretenden inhaltlichen Ähnlichkeiten zwischen rechtem und linkem politischen Lager und beantwortete eine entsprechende Frage mit "Ja". Beispiele sind die Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung und der Blick auf Medien. Außerdem gebe es Überschneidungen „gerade im sozialen Bereich“, sagte Chrupalla und betonte, er sehe das positiv. Gleiches gilt für die Außenpolitik. „Russland gehört zu Europa, und Frieden in Europa kann es nur mit und nicht gegen Russland geben. Wenn die Linken das auch so sehen, finde ich das gut“, erklärte der AfD-Vorsitzende.