460 Boote zerstört Operation „Sophia“: Marineinspekteur zieht positive Bilanz

Von dpa

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Rostock. Der Inspekteur der Deutschen Marine, Andreas Krause, hat eine positive Bilanz der seit Frühsommer 2015 im Mittelmeer laufenden EU-Mission „Sophia“ gezogen.

Seit deren Beginn gebe es ein klareres Bild über die Lage im Mittelmeer, mehr als 22000 Menschen seien von deutschen Soldaten aus Seenot gerettet worden. Laut Verteidigungsministerium wurden durch die gesamten internationalen „Sophia“-Einheiten rund 45000 Menschen in Sicherheit gebracht. Für einen Seemann sei die Lebensrettung eine Kernaufgabe, sagte Krause. „Man kann nicht zuschauen, wie Menschen unter unwürdigsten Bedingungen losgeschickt werden.“ Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration starben allerdings seit Anfang 2016 auch mehr als 8200 Flüchtlinge im Mittelmeer.

Hauptauftrag von „Sophia“ – benannt nach einem somalischen Mädchen, das im August 2015 auf der Fregatte „Schleswig-Holstein“ zur Welt kam – ist der Kampf gegen Schleusernetzwerke. Daneben wird die libysche Küstenwache ausgebildet. Insgesamt seien mehr als 117 mutmaßliche Schleuser nach Hinweisen von „Sophia“-Einheiten durch die italienischen Behörden festgenommen und über 460 Boote zerstört worden. Diese würden den Kriminellen nun fehlen, sagte Krause. Es kämen zwar neue und oft schlechtere Boote nach, aber zur Zerstörung gebe es keine Alternative. „Irgendwo muss man anfangen zu agieren.“ Derzeit ist die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ mit 195 Soldaten an Bord im Einsatz, sie kommt Ende Januar zurück. 2017 waren die Tender „Main“ und „Rhein“ beteiligt. Das bedeute über das Jahr hinweg rund 400 Soldaten. „Sie sehen in ihrem Einsatz eine hohe Sinnhaftigkeit“, sagte der Inspekteur. Die Belastung sei enorm hoch.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Alexander Neu kritisierte, die Bekämpfung der Schleusernetzwerke funktioniere nicht. „Unter dem Strich ist das ein Flüchtlings-Abwehreinsatz.“ Letztlich sei die Rettung der Flüchtlinge der „einzig vernünftige Beitrag“. Dafür seien aber zivile Kräfte im staatlichen Auftrag besser geeignet, sagte Neu.


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