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19.12.2017, 15:59 Uhr zuletzt aktualisiert vor TRUPPENAUFSTOCKUNG

Warum die Bundeswehr in Afghanistan in einer aussichtslosen Lage ist

Kommentar von Marion Trimborn

Mehr Truppen nach Afghanistan? Diese Idee hat Ministerin von der Leyen ins Gespräch gebracht. Foto: AFPMehr Truppen nach Afghanistan? Diese Idee hat Ministerin von der Leyen ins Gespräch gebracht. Foto: AFP

Osnabrück. Soll Deutschland den Bundeswehreinsatz in Afghanistan verstärken? Die Idee von Ministerin von der Leyen ist keine gute. Seit 16 Jahren ist die Truppe am Hindukusch präsent - und die Bilanz blamabel. Ein Kommentar

Viel hilft viel? Wenn Verteidigungsministerin von der Leyen das wirklich glaubt, leidet sie unter Realitätsverweigerung. Mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken und mehr Geld auszugeben, bringt gar nichts. Denn es sind bereits Milliarden geflossen, es gab bereits einen Kampfeinsatz der Bundeswehr. Die Bilanz nach 16 Jahren ist verheerend: Anschläge sind in Afghanistan an der Tagesordnung, die angestrebte stabile Demokratie liegt in weiter Ferne. Die Taliban sind immer noch da und Afghanistan exportiert Terroristen.

Die Parallele zur Sowjetunion, die Ende der 1980er Jahren geschlagen aus Afghanistan abzog, ist unverkennbar. Mit dem Unterschied, dass die Russen ihr Scheitern nach weniger als einem Jahrzehnt zugaben - die Nato ist nach 16 Jahren immer noch nicht so weit. In beiden Fällen haben militärisch haushoch überlegene Akteure gegen schlecht ausgerüstete einheimische Kämpfer verloren.

Ein Grund dafür ist das Durcheinander in einem Land mit jahrzehntelangen Spannungen und mächtigen Akteuren in den Provinzen. Der Westen hofierte und bestach Warlords, Drogenbosse und Stammesführer - und verlor den Nimbus des Befreiers. Viele Afghanen wurden erst durch Nato-Angriffe in die Reihen der Aufständischen getrieben. Am Schluss hat sich der Westen in Afghanistan in eine aussichtslose Lage manövriert. Er kann nur blamiert abziehen und das Land sich selbst überlassen - oder bleiben, mit offenem Ende.


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