Muslimische Frauenrechtlerin Seyran Ates warnt vor Kooperation mit Ditib

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Seyran Ates in Osnabrück. Foto: Jörn MartensSeyran Ates in Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die deutsch-türkische Anwältin Seyran Ates warnt vor der Zusammenarbeit mit Ditib und anderen Islamverbänden und bezeichnet die Einstellung der Ermittlungen gegen Imame als skandalös.

Seyran Ates engagiert sich seit langem für einen liberalen Islam. Die deutsch-türkische Anwältin war Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und hat in diesem Jahr in Berlin eine Moschee gegründet, in der Männer und Frauen unterschiedlicher Glaubensrichtungen miteinander beten können. Weil sie dafür angefeindet und mit dem Tode bedroht wird, kann sich Ates nur unter Polizeischutz bewegen. Im Gespräch mit unserer Redaktion kritisiert die Frauenrechtlerin die Haltung der Bundesregierung gegenüber den Islamverbänden und der Türkei.

„Schweinerei“

Ates hat es als „Skandal“ bezeichnet, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen Ditib-Imame wegen Spitzelvorwürfen eingestellt hat. „Man muss es in aller Deutlichkeit als Schweinerei bezeichnen“, sagte die Menschenrechtlerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Deutschland und die Justiz hätten wieder einmal versagt. „Und ich unterstelle, dass hier auch politische Interessen eine Rolle gespielt haben.“ Man habe die Augen zu und die Tür aufgemacht, um sich mit der Türkei gut zu stellen. „Dabei sind ganz viele Menschen von diesen Spitzeleien betroffen.“

Mitgliederzahlen

Dass Ditib immer noch mit staatlichen Vertretern am Verhandlungstisch sitze, etwa als Ansprechpartner für Religionsunterricht und Lehrstühle an Universitäten, sei unverantwortlich, kritisierte Ates. „Diese Menschen fordern Religionsfreiheit für sich, sind aber in keiner Weise bereit, Religionsfreiheit für manch andere Muslime zu akzeptieren.“ Die Rechtsanwältin bezweifelt zudem, dass die Verbände den Großteil der Muslime in Deutschland vertreten. „Viele Muslime wissen gar nichts von den Verbänden“, sagte Ates. „Deren Macht besteht vielmehr darin, dass sie laut und teilweise aggressiv sind und dass sie aus dem Ausland finanziert werden.“ Die Organisationen müssten nun endlich anhand von Mitgliederzahlen belegen, wen sie eigentlich verträten.

Die Gründerin einer liberalen Berliner Moschee begrüßte den Plan der niedersächsischen Landesregierung, Imame künftig in Deutschland auszubilden. Der Staat müsse im nächsten Schritt die Gründung neuer Gemeinden unterstützen. „Da gibt es durchaus ein großes Potenzial“, sagte Ates. „Es ist ja zum Beispiel bekannt, dass der Jugendvorstand der Ditib geschlossen zurückgetreten ist. Und es gibt viele weitere säkulare Muslime, die daran Interesse hätten.“

Konsequenter Schritt in Niedersachsen

Den Schritt der niedersächsischen Landesregierung nennt Ates konsequent. „Die Verbände hatten lange genug Zeit, tragbare Konzepte vorzulegen. Das haben sie nicht getan.“ Die Autorin kritisierte: „Die Verbände stellen nur Forderungen, machen aber keine Schritte auf die Demokratie zu, wenn sie immer wieder verhindern, dass auch Muslime am Verhandlungstisch sitzen, die ihnen nicht genehm sind.“ Ditib sei keine Interessenvertretung der Muslime in Deutschland, sondern eine Vertretung der Türkei. Ates warnt davor, ausschließlich die Verbände weiter als Ansprechpartner zu sehen und damit aufzuwerten und ihnen damit einen Alleinstellungsmerkmal zu geben.


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