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11.12.2017, 13:24 Uhr KOMMENTAR ZU ZEITVERTRÄGEN

Befristete Jobs: Mit der Zeit gehen

Kommentar von Katharina Ritzer

Befristete Jobs erschweren grundlegende Lebensentscheidungen. Eine staatliche Reform ist aber nicht zu erwarten – der Staat selbst stellt viele Mitarbeiter nur auf Zeit an. Foto: dpaBefristete Jobs erschweren grundlegende Lebensentscheidungen. Eine staatliche Reform ist aber nicht zu erwarten – der Staat selbst stellt viele Mitarbeiter nur auf Zeit an. Foto: dpa

Osnabrück. Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren. Wer auf eine staatliche Reform pocht, übersieht jedoch etwas Entscheidendes. Ein Kommentar.

Zeitverträge sind viel zu oft Leidverträge: Wer nicht weiß, ob er nach der meist auf zwei Jahre befristeten Laufzeit weiter seinen Job behält, der tut sich schwer mit langfristigen Lebensentscheidungen wie einem Hauskauf oder gar der Gründung einer Familie. Insofern ist die Zunahme befristeter Beschäftigung gesamtgesellschaftlich kritisch zu betrachten.

Allerdings haben Zeitverträge durchaus ihre Berechtigung, etwa bei Vertretungen in Elternzeit oder bei längeren Krankheiten. Und ja, auch wenn ein Unternehmen Personal aufstocken und erst einmal ausprobieren will, ob sich das auch rechnet, sind Zeitverträge sinnvoll. Stimmen die Zahlen nicht, laufen die Verträge dann ohne langwierige und teure Kündigungsklagen einfach aus.

Wer jetzt angesichts der Zunahme nach einer staatlichen Reform der Zeitverträge schreit, dem seien zwei Dinge gesagt: Erstens dreht sich der Arbeitsmarkt gerade deutlich zugunsten der Arbeitnehmer, Stichworte Fachkräftemangel und demografischer Wandel. In Zukunft müssen eher die Unternehmen um Mitarbeiter werben als anders rum, was mit Zeitverträgen kaum klappen dürfte. Und zweitens wird gerade der Staat bei diesem Thema ganz vorsichtig sein, schließlich schreibt kein Arbeitgeber mehr Zeitverträge als die staatlichen Verwaltungen aller Ebenen. Da wird jede Reform schnell zum Eigentor.


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