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07.12.2017, 20:27 Uhr KOMMENTAR

SPD-Parteitag: Ehrliches Ergebnis für Martin Schulz

Kommentar von Uwe Westdörp

Bundesparteitag der SPD: Der Parteivorsitzende Martin Schulz zeigt das Victory-Zeichen nach seiner Wiederwahl. Foto: Michael Kappeler/dpaBundesparteitag der SPD: Der Parteivorsitzende Martin Schulz zeigt das Victory-Zeichen nach seiner Wiederwahl. Foto: Michael Kappeler/dpa

Osnabrück. Das Drama um die Regierungsbildung geht weiter. Die SPD ziert sich zwar, sagt dann aber doch Ja zu Gesprächen mit der Union. Ihrem Vorsitzenden Martin Schulz gibt sie dafür nur ein eher schwaches Mandat. Ein Kommentar.

Nur noch 81,94 Prozent: So etwas nennt man ein ehrliches Ergebnis. Aus dem 100-Prozent-Vorsitzenden Martin Schulz ist ein auf Normalmaß geschrumpfter Parteichef auf Bewährung geworden. Es ist kein Desaster für Schulz, aber ein deutlicher Dämpfer. Alles andere wäre nach der historischen Niederlage bei der Bundestagswahl im September und dem anschließenden Zickzackkurs freilich auch eine Überraschung gewesen.

Die Personalie Martin Schulz spiegelt den Zustand der Partei, die sich einen Neuanfang wünscht, aber zwischen Mut und Zweifeln schwankt. Z war hat Schulz eine leidenschaftliche Grundsatzrede gehalten. Auch setzt er mit den Themen Soziales, Europa und Umweltschutz richtige Akzente. Doch allzu großer Applaus bleibt ihm versagt. Denn es ist völlig offen, ob er liefern kann. Zunächst ist und bleibt Schulz ein Parteichef der Ankündigungen.

Aber immerhin: Die SPD hat die Zerreißprobe bestanden. Leidenschaftlich, fair und in gegenseitigem Respekt stritten die Delegierten auf dem Parteitag in Berlin über die Gründe für das Wahldesaster und über den künftigen Kurs der Partei. Sie haben damit das Beste aus ihrer misslichen Situation gemacht.

Doch die nächste Nagelprobe steht bereits bevor. Die mit großer Mehrheit beschlossenen ergebnisoffenen Gespräche mit der Union bergen eine Fülle von Risiken. So könnte die dringend notwendige Erneuerung der Partei erneut verzögert werden.

Auch bleibt abzuwarten, wie gut Schulz sich bei den Gesprächen mit der Union schlägt. So unglücklich, wie der Parteivorsitzende bislang agierte, bleiben auch in dieser Hinsicht Zweifel. Die Wiederwahl hat Martin Schulz geschafft. Doch die Verhandlungspartner von CDU und CSU, die bereits eine Reihe von rote Linien gezogen haben, werden dem SPD-Vorsitzenden nicht so leicht machen wie die letztlich nachsichtigen Parteitagsdelegierten. Nach der Herausforderung ist vor der Herausforderung.


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