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06.12.2017, 16:57 Uhr KOMMENTAR ZUM PARTEITAG

SPD entscheidet auch über eigenes Schicksal

Kommentar von Uwe Westdörp

Ergebnisoffene Gespräche mit der Union? Darüber stimmt der Parteitag der SPD in Berlin ab. Foto: dpaErgebnisoffene Gespräche mit der Union? Darüber stimmt der Parteitag der SPD in Berlin ab. Foto: dpa

Osnabrück. Eigentlich wollten die Sozialdemokraten auf dem Bundesparteitag ihren Erneuerungsprozess vorantreiben, doch nun steht die Partei vor heftigen Debatten um eine Regierungszusammenarbeit mit der Union. Es geht um Chancen - und um große Risiken. Ein Kommentar.

Jetzt schon wieder regieren? Ist das der richtige Weg nach dem historisch schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl ? Die SPD entscheidet auf ihrem Parteitag in Berlin nicht nur über Regierungssondierungen mit der Union, sondern womöglich auch über ihr eigenes Schicksal.

Das Risiko ist groß: Sollten die Sozialdemokraten letztlich wieder mitregieren, ginge das zulasten der dringend notwendigen Erneuerung der SPD. Statt ihr Profil zu schärfen, müsste sie Kompromisse eingehen. Das war schon einmal so: als die Partei sich 2013 nach einem 25,7-Prozent-Ergebnis für den Kabinettstisch statt für einen Neustart entschied und sich ganz auf die Arbeit in der Großen Koalition konzentrierte. Das Ergebnis ist bekannt: Die Genossen stürzten noch weiter ab.

Ende des Liedes könnte tatsächlich der Untergang der Volkspartei SPD sein - dann nämlich, wenn sie nur noch als x-beliebige Mehrheitsbeschafferin wahrgenommen würde.

Es wäre deshalb falsch, die Parteidebatte auf Machtoptionen zu verengen. Will die SPD überleben, muss sie sich auch inhaltlich neu aufstellen und dabei den Blick nach vorne richten. Die Zukunft der Arbeit, die vierte industrielle Revolution, die Digitalisierung: Das sind Themen, die vielen Sorgen bereiten – und auf die die einstige Partei der Arbeitnehmer Antworten finden muss.


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