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05.12.2017, 18:03 Uhr SCHWARZE LISTE DER EU

Steueroasen: Die EU muss vor der eigenen Tür kehren

Kommentar von Uwe Westdörp

Ein Beispiel für eine Steueroase ist Panama. Foto: dpaEin Beispiel für eine Steueroase ist Panama. Foto: dpa

Osnabrück. Nach monatelangen Diskussionen hat die EU 17 Gebiete auf eine schwarze Liste von Steueroasen gesetzt. Welch eine Enttäuschung

Steuerflüchtlinge dürfen sich ins Fäustchen lachen: Die EU hat lediglich 17 Länder auf ihre Schwarze Liste der Steueroasen gesetzt. Das sind erstaunlich wenige, hatte die Europäische Union doch anfangs 90 Verdächtige identifiziert. Es gibt also noch reichlich Möglichkeiten für Anleger, die sich vor der Steuer drücken wollen.

Das zeigt auch der Blick auf Europa selbst. Die EU hat sich nicht durchringen können, die Sünder in den eigenen Reihen zu benennen. Sie zeigt auf Panama, Sükorea, Macau, Barbados und andere. Doch was ist mit Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Irland und den Kanalinseln im britischen Kronbesitz? Sie bleiben außen vor. Doch solange die Europäische Union nicht auch vor der eigenen Tür kehrt, bleibt sie unglaubwürdig.

Das ist umso bedauerlicher, als es um viele Milliarden von Euro geht, die den Staaten vorenthalten werden. Besonders krass: Während große Konzerne wie Apple massiv vom Steuerdumping in einzelnen EU-Staaten wie Irland profitieren, werden andere kleinere Steuerzahler kräftig zur Kasse gebeten. Steuergerechtigkeit bleibt damit ein großes Thema - auch und gerade in der EU. Es wird zudem nicht ausreichen, nur auf Sünder zu zeigen. Darüber hinaus müssen die Europäer sich auf mögliche Sanktionen verständigen.