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26.11.2017, 18:07 Uhr zuletzt aktualisiert vor BUNDESWEHR FEHLEN BEWERBER

Warum die Truppe nicht mehr attraktiv ist

Kommentar von Marion Trimborn

Der Bundeswehr fehlen Bewerber. Foto: dpaDer Bundeswehr fehlen Bewerber. Foto: dpa

Osnabrück. Der Bundeswehr fehlen Bewerber. Das ist verständlich - denn als Arbeitgeber ist die Truppe wahrlich nicht attraktiv. Und die Skandale der vergangenen Monate haben das Image weiter ruiniert. Jetzt müssen alternative Ideen her. Ein Kommentar

Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Dieser populäre Slogan der Friedensbewegung von Anfang der 80er Jahre wird bei der Bundeswehr zunehmend Realität, wenn auch aus anderen Gründen. Immer weniger Bewerber interessieren sich für eine militärische Laufbahn.

Wen wundert‘s. Die Bundeswehr, seit mehr als 25 Jahren auf personelle und finanzielle Diät gesetzt, ist für junge Leute nicht mehr attraktiv. Wer will in einer Armee dienen, die am Rand ihrer Einsatzfähigkeit steht, weil Waffen und Ausrüstung fehlen oder nicht funktionieren? Wer will in die gefährlichen Auslandseinsätze ziehen? Sie bergen immer das Risiko von Todesopfern, seit 1993 sind dabei mehr als 100 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Und dann das Geld. Während die Polizei in den Ländern fast überall ihre Beschäftigten längst als Beamte auf Lebenszeit im gehobenen Dienst einstellt, bietet die Bundeswehr den gewöhnlichen Soldaten zum Einstieg lediglich Zeitverträge im mittleren Dienst. Da sind die Verdienstmöglichkeiten äußerst bescheiden. Wer IT-Spezialist ist, kann in der Wirtschaft deutlich mehr verdienen - und muss auch nicht fürchten, weit weg von seiner Familie stationiert zu werden. Die jüngste Skandalserie mit rechten Zwischenfällen, dem terrorverdächtigen Franco A. sowie entwürdigenden Aufnahmeritualen hat das Image der Truppe weiter ruiniert. Die Bundeswehr muss dringend in allen Punkten massiv gegensteuern - lustige Youtube-Videos und familienfreundliche Aktionen reichen bei Weitem nicht.


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