Ein Bild von Michael Clasen
24.11.2017, 16:42 Uhr KOMMENTAR ZUR SPD

Wenn Groko, dann ohne Merkel

Ein Kommentar von Michael Clasen


Die SPD könnte Kanzlerin Angela Merkel mit einer erneuten Großen Koalition retten, aber dabei selbst alles verlieren. Foto: AFPDie SPD könnte Kanzlerin Angela Merkel mit einer erneuten Großen Koalition retten, aber dabei selbst alles verlieren. Foto: AFP

Osnabrück. Der SPD droht der Untergang, wenn sie nach ihrer heftigen Niederlage bei der Bundestagswahl nun auch noch die Schlappe von Kanzlerin Angela Merkel ausbaden sollte. Das würde die Partei in ihrer Existenz gefährden.

Sein kategorisches Nein hatte nur eine Halbwertszeit von Wochen. Klar: SPD-Parteichef Schulz will nicht als verantwortungsloser Geselle gelten. Deshalb stimmt er Gesprächen mit der Union über eine Große Koalition nun doch zu, nachdem Jamaika gescheitert ist. Das kostet aber nicht nur Glaubwürdigkeit. Die Partei läuft auch Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, sollte sie nur noch als unwilliger Mehrheitsbeschaffer der Kanzlerin wahrgenommen werden.

Abstruser Kenia-Vorstoß

Wie nervös die SPD ist, offenbart der Kenia-Vorstoß von Partei-Granden, die ernsthaft über ein Bündnis aus Union, SPD und Grünen nachdenken. Das wäre eine Art Groko plus Krankenschwester, als wäre die alte Tante SPD ein Pflegefall. Nein: Deutschland braucht weder eine Form des betreuten Regierens noch eine SPD ohne Selbstachtung.

Auch Schulz hat Angst vor der eigenen Courage, indem er die Verantwortung an die Basis delegiert. Sie soll über Groko entscheiden. Dabei wäre Führungsstärke gefragt, um das Dilemma aufzulösen.

Notfalls muss es Neuwahlen geben

Die SPD sollte klarmachen: Wenn Groko, dann ohne Merkel. Nicht nur die SPD ist bei der Wahl abgestraft worden. Auch die Kanzlerin ist weit von einer Regierungsmehrheit entfernt. Deshalb das Chaos in Berlin. Wenn die Union das weiter negiert, muss es Neuwahlen geben. Die SPD darf nicht auch noch Merkels Niederlage ausbaden.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN