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22.11.2017, 18:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor EURO-SORGENKIND

Sorge um Italien: Taten statt Worte sind gefragt

Kommentar von Marion Trimborn

Italien ist nach wie vor das Sorgenkind der Euro-Zone. Foto: dpaItalien ist nach wie vor das Sorgenkind der Euro-Zone. Foto: dpa

Osnabrück. Die Euro-Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Vor allem Italien bereitet immer wieder Sorge. Nun gibt die EU-Kommission einen Warnschuss ab. Aber das reicht nicht. Ein Kommentar

Italien, immer wieder Italien. In regelmäßigen Abständen kommt die Furcht vor einem Zusammenbruch Italiens mit horrenden Folgen für alle Euro-Länder wieder hoch. Das Land, in dem die Zitronen blühen, hat inzwischen Griechenland als Euro-Sorgenkind abgelöst. Auf unfassbare 2,2 Billionen Euro ist die italienische Gesamtverschuldung 2016 geklettert.

Besonders brisant: Hier geht es um die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion. Wackelt Italien, dann zittert Europa. Regierungskrisen und der ständige Bruch der Euro-Regeln haben den Schlendrian einziehen lassen. Mehrere Bankenpleiten - darunter die Traditionsbank Monte dei Paschi - sorgten jüngst für Negativschlagzeilen.

Allerdings ist Brüssel an all dem nicht ganz unschuldig. Seit Jahren ist die EU-Kommission mit übergroßer Nachsicht Italien entgegengekommen. Mal gab es Zugeständnisse, weil Italien so viele Flüchtlinge aufnehmen musste, mal, weil es nach einer Serie von Erdbeben so viel Geld in den Wiederaufbau steckte. Dieser politische Opportunismus stellte Rom einen Freibrief für Nachlässigkeit aus. Und zudem macht die Europäische Zentralbank es Rom möglich, zu niedrigen Zinsen munter Schulden anzuhäufen.

Gut, dass die EU-Kommission nun einen deutlichen Warnschuss abgegeben hat. Italien muss vor den Parlamentswahlen im Frühjahr seine Staatsfinanzen sanieren. Und sollte nichts passieren, dann müssen die EU-Haushaltsprüfer Strafen nicht nur androhen, sondern erstmals auch wirklich anwenden.