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17.11.2017, 17:47 Uhr KOMMENTAR

Wer hat den Wolf eigentlich vermisst?

Ein Kommentar von Markus Pöhlking


Der Wolf macht sich breit im Nordwesten. Bernd Thissen/dpaDer Wolf macht sich breit im Nordwesten. Bernd Thissen/dpa

Osnabrück. Für den Wolf sind dicht besiedelte Regionen wie der Nordwesten Deutschlands ein Paradies. Die Menschen werden zwangsläufig mit ihm ins Gehege kommen. Gut, dass die Politik das Problem langsam ins Visier nimmt. Ein Kommentar.

Der Wolf geht um in Europa. Längst ist er auch im Nordwestdeutschland angekommen. Die Meldungen von Sichtungen oder Fälle, in denen er sich an Schafsherden und weidenden Rindern bedient hat, häufen sich. Für den Wolf ist der Westen Deutschlands ein Schlaraffenland. Die Gegend bietet ihm Raum zum Rückzug, zugleich ist sie vergleichsweise dicht besiedelt. Und überall steht verlockendes Nutzvieh herum. Wölfe sind kluge Tiere. Sie werden den Standortvorteil, den die Region für sie birgt, erkennen. Ihre Population wird wachsen, wenn niemand gegensteuert.

Es ist daher gut, dass in der Politik ein gewisser Pragmatismus in der Wolfsfrage einkehrt. Im neuen niedersächsischen Koalitionsvertrag sind Grundlagen formuliert, um den Wolf ins Jagdrecht zu überführen. Geschädigte Tierhalter sollen unbürokratisch entschädigt, Problemtiere identifiziert und unschädlich gemacht werden. Die Bundesumweltminister haben auf ihrer Konferenz in Potsdam den Wolf immerhin als Problem erkannt, und auch bei der EU dämmert nun, dass Wolf und Mensch in dicht besiedelten Regionen zwangsläufig miteinander ins Gehege geraten.

Natürlich, der Wolf war früher mal Bestandteil des hiesigen Ökosystems. Das leidet bekanntermaßen erheblich unter dem Rückgang der Artenvielfalt. Für deren Stabilisierung bräuchte es dringend Maßnahmen. Aber keinen Wolf. Denn mal ehrlich: Hat ihn in den Jahrhunderten seiner Abwesenheit eigentlich jemand vermisst?


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