Islamverbände fordern Teilhabe Bundesweit erste Imamausbildung in Osnabrück geplant

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In Osnabrück sollen nach dem Willen der soeben gebildeten niedersächsischen Koalition künftig auch Imame ausgebildet werden. Foto: dpaIn Osnabrück sollen nach dem Willen der soeben gebildeten niedersächsischen Koalition künftig auch Imame ausgebildet werden. Foto: dpa

Osnabrück. Es wäre ein bundesweit einmaliges Projekt: Niedersachsen will künftig nicht nur islamische Religionslehrer ausbilden, sondern auch Imame. Die Islamverbände sind skeptisch.

Seit 2010 werden Imame aus ganz Deutschland bereits an der Universität Osnabrück weitergebildet. Rund 100 waren es laut der Uni bislang. Im niedersächsischen Koalitionsvertrag sprechen CDU und SPD nun auch von einer „grundständigen Imam-Ausbildung“. Was heißt das?

Ein grundständiger Studiengang ist zum Beispiel der Bachelor Islamische Theologie in Osnabrück. Und so freut sich Institutsleiter Professor Bülent Ucar über die Pläne der Großen Koalition und sagt: „Das war lange unser Wunsch an die Politik.“ Der Professor schränkt jedoch ein: „Das kann die Universität nicht alleine leisten. Wir können unsere Erfahrungen, unser Know How einbringen. Am Ende muss aber der Staat mit den Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten.“ Jetzt sei genau der richtige Zeitpunkt für eine Imamausbildung. Denn die ersten Volltheologen würden aktuell mit ihrem Studium fertig. Aber: „So wie zum Beispiel die katholische Kirche keine Priester ausbildet, sondern Theologen, die dann ins Priesterseminar gehen, brauchen wir ein Imamseminar“, sagt Ucar. „Die angehenden Imame müssen auf die praktische Gemeindearbeit vorbereitet werden.“

„So schnell wie möglich“

Wie soll die Imamausbildung also konkret funktionieren? „Das muss man klären“, sagt der designierte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Der wissenschaftlicher Beirat der Uni, in dem muslimische Religionsgemeinschaften bereits vertreten sind, müsse einbezogen werden. Auch die unterschiedlichen Strömungen im Islam müssten eine Rolle spielen. Zum Zeitplan sagte Thümler, er wolle „so schnell wie möglich, aber auch so sorgfältig wie möglich“ vorgehen.

Am Ende dürfte die Kernfrage darin bestehen, welche Aufgaben die ausgebildeten Imame wahrnehmen werden und ob ein in Deutschland an einer staatlichen Universität ausgebildeter Imam von einer Moscheegemeinde akzeptiert wird. Die islamische Interessenvertretung Schura, ein Verein, der nach eigenen Angaben 92 Moscheegemeinden in Niedersachsen vertritt und einer der beiden Hauptansprechpartner für die Landesregierung ist, hält diesen Plan für schwierig. „Prinzipiell müssten die Religionsgemeinschaften mit einbezogen werden“, fordert Recep Bilgen, Vorstandsvorsitzender der Schura Niedersachsen. Ein Vorteil der Ausbildung könne sein, dass Moscheegemeinden dann nicht mehr auf Imame aus den Herkunftsländern der Gläubigen angewiesen wären.

Zentralrat warnt

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland begrüßt die Absicht der Großen Koalition in Niedersachsen. Der Vorsitzende Aiman Mazyek kritisiert aber: „Entscheidend ist, dass anhand des tatsächlichen Bedarfs diskutiert wird. Das tun wir aber aktuell nicht.“ Mazyek empfiehlt: „Wir sollten aufhören, die deutsch-türkischen Beziehungen weiter mit diesem Thema zu belasten. Es besteht kein Zweifel, dass wir in Zukunft deutsche Imame, die hier ausgebildet sind, brauchen. Das geht aber nicht gegen die Gemeinden und islamischen Religionsgemeinschaften, sondern nur mit ihnen zusammen.“


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