Weltklimakonferenz in Bonn Potsdamer Klimaforscher warnt Politik: Klimaziele nicht aufgeben

Von Marion Trimborn

Die Fidschi-Inseln haben die Präsidentschaft bei der Weltklimakonferenz in Bonn. Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer warnt die Politik davor, die Klimaziele aufzugeben. Foto: dpaDie Fidschi-Inseln haben die Präsidentschaft bei der Weltklimakonferenz in Bonn. Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer warnt die Politik davor, die Klimaziele aufzugeben. Foto: dpa

Osnabrück. Es wird immer deutlicher, dass Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen kann. Die Verringerung der klimaschädlichen Treibhausgase geht nicht schnell genug, weil Politik und Wirtschaft zu wenig tun. Sollte man deshalb die Ziele streichen? Nein, mahnt der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer.

Edenhofer sagte unserer Redaktion, gerade Deutschland sei drauf und dran, die versprochene Verringerung der Treibhausgase zu verfehlen. Der Klimaexperte warnte: „Das kann nun keinesfalls Grund sein, diese Ziele aufzugeben. Täten wir dies, nähmen wir eine Zunahme von Klimarisiken in Kauf, etwa Extremwetter, Ernteausfälle und einen Anstieg des Meeresspiegels.“ Er fügte hinzu: „Das wäre nicht nur teuer, es wäre unverantwortlich.“ Zudem dürfe Deutschland nicht an Tempo verlieren und hinter das bereits Erreichte zurückfallen. Edenhofer sagte: „Es geht hier auch um das Erbe der Ära Angela Merkel, die als Klimakanzlerin Geschichte geschrieben hat.“ Zur Ehrlichkeit in der Politik gehöre auch, dass hehre Klimaziele alleine nicht genügten. Der Klimaforscher mahnte: „ Wir brauchen auch konkrete Maßnahmen, um diese zu erreichen.“

Klare Forderungen an Politik

Der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sieht bei den Verhandlungen für eine neue Jamaika-Regierungskoalition Spielraum für Kompromisse in der Klimapolitik. Edenhofer forderte: „Eindeutig muss aber die Richtung sein: Mindestpreis im europäischen Emissionshandel, raus aus der Kohle, rein in die Digitalisierung unseres Energiesystems mit smarten Netzen, smarten Häusern. Und dass wir die ersten Schritte sofort tun müssen.“ Er warnte: „Je länger wir herum trippeln, desto teurer wird es, das zeigt die Forschung sehr klar.“

Europäischen Emissionshandel reformieren

Edenhofer sprach sich für eine Radikalreform des kränkelnden EU-Emissionshandels aus, bei dem die EU-Staaten mit Verschmutzungsrechten handeln. Der Klima-Ökonom, der zugleich Professor an der Technischen Universität Berlin ist, forderte, dass die EU einen gesetzlichen Mindestpreis je Lizenz zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid (CO2) einführt. Ein solcher Preis hätte drei Effekte: So gäbe es einen Anreiz für Investitionen in saubere Technologien. Fossile Brennstoffe würden genau entsprechend ihrer Klimaschädlichkeit teurer, die Kohle also in größerem Maß als das nur halb so schmutzige Erdgas. „Und es würden Einnahmen entstehen, welche die Staaten für den Aufbau von Infrastruktur einsetzen oder auch an ihre Bürger mit einem Scheck zu Weihnachten aussschütten könnten“, sagte Edenhofer.“ Ein signifikanter Mindestpreis würde dafür sorgen, dass die schmutzigsten Kohlekraftwerke zuerst vom Netz gehen.“

Konferenz in Bonn

An der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz in Bonn werden etwa 25 000 Menschen aus knapp 200 Staaten teilnehmen. Die Inselgruppe Fidschi, die vom Klimawandel bedroht ist, hat die Präsidentschaft inne.