Diskussionsrunde zur Ernährung NOZ-Agenda: Empörung über heimlich gedrehte Stallbilder

Von Dirk Fisser und Nina Kallmeier

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df/nika Osnabrück. Das Thema Essen wird leidenschaftlich diskutiert – auch auf dem hochkarätigen Podium der NOZ-Agenda „Essen & Empörung“. Es geht um die Macht des Verbrauchers, Essgewohnheiten und Tierwohl. Für Aufregung sorgten heimlichgedrehte Stallaufnahmen.

Ein Raunen ging durchs Publikum als die Bilder von verletzten und toten Tieren zu sehen waren. Heimlich aufgezeichnet von Tierrechtlern in Ställen irgendwo in Deutschland und jetzt bei der NOZ-Agenda-Veranstaltung „Essen & Empörung“ zu sehen.

Bernhard Krüsken, Generalsekretär beim Deutschen Bauernverband, hatte Mühe den Berufsstand angesichts der Bilder zu verteidigen. Er warf den Tierrechtlern die „Gruppendiskriminierung“ der Landwirtschaft und eine „Gaffermentalität“ vor. Statt dokumentierte Missstände den zuständigen Behörden zu melden, würden Tierrechtler immer weiter in Ställe einbrechen und heimlich filmen. Eben bis genug Material da sei, um es an Fernsehsender zu verkaufen.

Teile der Besucher der Veranstaltung im NOZ-Medienzentrum quittierten die Aussagen mit Buhrufen. Andere unterstützten den Verbandsvertreter. Er versicherte: „Es gibt wesentlich mehr Betriebe mit Tierhaltung, die ihre Türen für Besucher öffnen, als Betriebe, die sich einschließen.“

Diskussion um Bilder

Die Aufregung war ein Spiegelbild der Debatte, die sich in den vergangenen Monaten fast wöchentlich in Deutschland wiederholt hat. Bilder aus Ställen flimmerten über die Bildschirme, Verbraucher empörten sich über Zustände in Ställen. Die Tierwohl-Debatte wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Diskussion um unsere Ernährung – so auch auf der NOZ-Bühne. Denn wie und was wir essen und die Tatsache wie Tiere gehalten werden, hängt eng miteinander zusammen.

„Wenn ich so etwas sehe“, sagte der Osnabrücker Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner unter Verweis auf die Stallaufnahmen, „hätte ich keine Lust, Fleisch zu essen.“ Er kritisierte eine gewisse „Scheinheiligkeit“ der Verbraucher, die sich zwar empörten, im Supermarkt dann aber doch zum Angebot griffen. Sein Appell: „Essen Sie weniger Fleisch, suchen Sie es besser aus.“

Warnung vor Eingriffen des Staates

Verbandsvertreter Krüsken versicherte, Bauern seien hochflexibel, was gesellschaftliche Ansprüche an Lebensmittelproduktion angehe und könnten sich anpassen. Das brauche aber Zeit und gegebenenfalls auch Unterstützung. Er warnte davor, dass die Politik einfach eine vermeintlich bessere Tierhaltung per Gesetz vorgibt. „Wenn der Staat etwas macht, geht es schief.“

Er wies Ausführungen von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) zurück, der eine grundlegend bessere Tierhaltung forderte. „Sie muss sich mehr an den Bedürfnissen der Tiere orientieren“, so der Politiker.

„Keine einfachen Lösungen“

Krüsken mahnte zu mehr Realismus. Würde man beispielsweise der Sau mehr Bewegungsfreiraum im Stall einräumen, hätte das jedes Jahr Hunderttausende tote Ferkel zur Folge – erdrückt von den Muttertieren. „Es gibt keine einfachen Lösungen“, so Krüsken, der warnte: Deutschland dürfe nicht Experimentierfeld für die Tierhaltung werden, das wäre deren Ende. „Was hier in den Supermarktregalen liegt, sollte auch hierzulande produziert worden sein“, sagte er unter Beifall.

Wie aber Anspruch und Wirklichkeit in Einklang bringen? Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass bessere Aufklärung der Verbraucher her müsse. Agrarminister Meyer (Grüne) etwa kritisierte die falschen Werbeversprechungen von glücklichen Tieren. Falsche Ernährungsbildung fange aber bereits in Kindergärten und Schulen an. „Da kommt in den Kantinen doch häufig nur das Billigste auf den Tisch“, so der Minister. Es müsse in Lehranstalten mehr selbst gekocht werden.

Bühner: Gutes Essen nicht zwangsläufig teuer

Profikoch Bühner brachte seine Verzweiflung zum Ausdruck: „Es standen niemals mehr Lebensmittel zur Verfügung. Aber wir nutzen nur einen kleinen Teil.“ Nämlich denjenigen, den die Supermärkte uns vorschrieben. Er betonte zudem, gutes Essen müsse nicht zwangsläufig auch teuer sein. Er verwies unter anderem auf einfache Rezepte wie etwa Speckpfannkuchen.

McDonalds-Filialbetreiber Oliver Mix machte sich wenig Hoffnungen, dass ein Umdenken kurzfristig zu erreichen sei. Der Verbraucher müsse erst verstehen, was genau er eigentlich wolle. „Und bis das so weit ist, wird wohl mindestens noch eine Generation dauern.“

Foto: Michael Gründel


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